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Leonard Bernstein, Charles Gounod, Gioachino Rossini, Richard Strauss, Giuseppe Verdi u.a.

COLORaturaS

Diana Damrau, Münchner Rundfunkorchester, Dan Ettinger

Virgin Classics/EMI 519 313-2
(73 Min., 2/2008 u. 6/2009) 1 CD

Die treffendste Darstellung ihrer Auffassung vom Wesen eines Koloratursoprans liefert Diana Damrau im Booklet ihres neuen Albums gleich selbst: Es gehe ihr nicht nur um die Fähigkeit, Stratosphärentöne singen zu können, schreibt sie, sondern darum, dass Komponisten in diesen Stimmen eine Möglichkeit gesehen hätten, Emotionen jenseits des Textes zuzuspitzen. Und die von Rossini bis Strawinsky reichende Arienliste von "COLORaturaS" liefert dazu den klingenden Beweis: Eine Gilda, deren Spitzentöne nach Sehnsucht und erwachender Liebe klingen, eine Rosina, die Selbstbewusstsein und Koketterie mit einer erfrischenden Lebenslust verbindet, eine Zerbinetta, die hinter der ausgestellten Maske der Koloratur-Kunstfigur eine Frau aus Fleisch und Blut durchblicken lässt, eine Ophelia, deren Wahnsinnstöne die Hilferufe einer gequälten Seele sind – in jeder der zehn Opernfiguren ihres Albums entdeckt Damrau eine eigene Geschichte, nutzt (eigene?) Verzierungen, um charakterliche Facetten zu betonen, setzt den expressiven Ausrufezeichen der dreigestrichenen Spitzentöne aber auch immer wieder Pianissimo-Töne entgegen, die die Verletzlichkeit ihrer Heroinen zeigen – hinreißend beispielsweise, wie zart sie ihr "Caro nome" verklingen lässt! Dabei kommt Damrau zur Hilfe, dass ihre Stimme für einen Koloratursopran inzwischen vergleichsweise schwer ist, aber umso mehr Farben gewonnen hat – freuen wir uns auf ihre erste Traviata, die sie im nächsten Jahr an der Scala singen will.

Jörg Königsdorf, 05.12.2009



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