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Charles Koechlin

Klavierwerke Vol. 2: Les heures persanes

Michael Korstick

Hänssler Classic/Naxos 93.246
(66 Min., 12/2008) 1 CD

In der abendländischen Musikgeschichte recken immer wieder skurril versponnene Komponistenfiguren ihr Haupt – eine von ihnen ist sicher der Franzose Charles Koechlin (1867-1950). Michael Korstick, der auf dieser CD den Zyklus "Les heures persanes" hochqualifiziert zum Besten gibt, stellt im Beiheft engagiert die spiel- und lesetechnischen Schwierigkeiten dieser eigenartigen Musik dar: Er belegt die Kaum-Spielbarkeit mancher Akkorde sogar mit Fotografien. Otfried Nies vom "Archiv Charles Koechlin" in Kassel stellt mit fast manischer Begeisterung dar, wie im Prinzip alle avantgardistischen Kompositionstechniken des frühen 20. Jahrhunderts bei Koechlin schon vorgeprägt sind bzw. zumindest von ihm rezipiert und in seinen Stil integriert wurden.
Und die Musik? Sie fließt zumeist mit großer Ruhe dahin, ist gelegentlich überraschend "tonal", dann wieder dissonanzgesättigt und Klang-geballt. In träumerischem Tonfall lässt Koechlin vor dem inneren Auge des Hörers ferne Landschaften erstehen: Karawanen nehmen ihren Weg durch die Wüste, Rosen präsentieren sich prachtvoll in der Mittagssonne, Derwische wuseln durch die Nacht. Man muss sich einhören, man muss sich einlassen auf eine Musik, die so manche vertrauten Parameter vermissen lässt. Sie ist offenbar sehr schwer zu spielen, aber nur selten äußerlich virtuos. Sie ist deskriptiv und doch so eigen, so fremd ... ein durchaus inspirierendes Erlebnis.

Michael Wersin, 12.12.2009



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