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Franz Schubert u.a.

Prey - Stille meine Liebe

Hermann Prey, porträtiert von Michael Harder und Martin Blum

tryharder tvnetwork THTVN 2005002
(130 Min., 2009) 1 DVD

"Ich möchte, dass mein Vater nicht in Vergessenheit gerät." Diese Worte aus dem Munde Florian Preys stehen stellvertretend für das Anliegen der gesamten Familie Prey – die Witwe des Sängers und drei Kinder –, das Andenken des 1998 früh und überraschend verstorbenen Vaters zu wahren und zu pflegen: Schließlich war Prey zu Lebzeiten, und zwar bis zuletzt, ein global omnipräsenter Weltstar mit randvollem Terminkalender. Mit dem unerwarteten Tod brach jener Prey-Hype plötzlich ab, auf dessen hohen Wogen Preys Frau jahrzehntelang mitgeschwommen ist, ob sie wollte oder nicht. Schon früh in seiner Karriere hatte ihr Mann beschlossen, er könne sein anstrengendes Tourneeleben nicht ohne seine Frau führen. Dass dies für die drei Kinder (sie wuchsen bei den Großeltern auf) alles andere als einfach war, belegen Interviewausschnitte in diesem Film eindrucksvoll: Oft sagt langes Schweigen mehr als spärliche, wohl abgewogene Worte.
Gegen einen so übermächtigen Erfolg, wie Prey ihn seit seinen frühen Jahren hatte, kann man sich nicht stemmen, das gesamte Umfeld wird zwangsläufig massiv involviert. Vielleicht hätte man besser dosieren können, aber Prey hat sich dafür entschieden, seinen Beruf bis zur Neige auszukosten. Er wollte eigentlich nichts Anderes als arbeiten, konstatiert seine Frau nüchtern. Er leistete Übermenschliches. Dass dabei auch seine Gesundheit Schaden nahm, war wohl unvermeidlich. Faszinierend und bedrückend zugleich sind die Liederausschnitte aus Tokio, entstanden 1997, im letzten Lebensjahr des Baritons. Hier ist alles gegenwärtig: seine einzigartige, im Timbre unverwechselbare Stimme in überraschend frischem Zustand, seine gelegentlich massiven Intonationsprobleme, aber auch seine hohe interpretatorische Reife – und sein damals schon sehr krankes Herz, dessen Schwäche so manches zusätzliche Nachatmen erforderlich macht. Bewegende Dokumente eines ganz der Gesangskunst gewidmeten Lebens.
"Stille meine Liebe" ist ein ruhiger, ja ein tatsächlich stiller Film. Er lässt viele Menschen ausführlich zu Wort kommen, macht den Prey-Trubel – als Reminiszenz – ebenso greifbar wie die lähmende Stille und Ratlosigkeit nach seinem Dahinscheiden. Der Film ist liebevoll und sorgfältig komponiert, er will einen authentischen Eindruck vermitteln. Man darf dieses ambitionierte Unternehmen als sehr gelungen betrachten.

Michael Wersin, 19.12.2009



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