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Michel Corette, Pierre de La Garde, Marin Marais, Nicolas Racot de Grandval, Philippe Courbois

Dom Quichotte – Cantates & Concertos comiques

Café Zimmermann, Dominique Visse

Alpha/Note 1 ALP151
(66 Min., 12/2008) 1 CD

Der französische Countertenor Dominique Visse ist allein schon äußerlich ein Exot unter seinen Kollegen – mit seiner zottelig-wilden Mähne und seinem schrägen Fingerschmuck. Und im Gegensatz zu seinem alten Sparringspartner Andreas Scholl sorgt er nicht mit magisch einschmeichelndem Melos für überirdisch wegschwebende Barockwelten. Mit seinem markant gefilterten, bisweilen überscharfen Sopranton bleibt Visse stets im Hier und Jetzt, um auch dem einfachen Volk seine Stimme zu geben. Und dass Visse dabei schlichtweg konkurrenzlos jedes Geschlecht verkörpern kann, hat er mal als herumtapsende Amme Nutrice in Monteverdis "Krönung der Poppea" bewiesen. Oder als zahnlose Alte in Marc-Antoine Charpentiers Molièreverwurstung "Le malade imaginaire". In den nun mit dem Ensemble Café Zimmermann ausgegrabenen französischen Kantaten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kann Dominique Visse dementsprechend voll in seinem Element sein. Wenn er etwa in dem Doppelporträt "Dom Quichotte" von Philippe Courbois nicht nur urkomisch schmachtend den Puls des liebestollen Ritters fühlt. Als derb-burlesker Sancho Pansa pumpt Visse sich gleich auch noch zum Dudelsack auf.
Die drei Vokalwerke, die zum Divertissement der Regenten Ludwig XIV. und XV. komponiert wurden, entpuppen sich so als wahre Diamanten auf dem Feld "Humor und Musik" – in der Klassikwelt sonst eher eine Wüstenei. In der Kantate "La matrone d'Ephèse" von Racot de Grandval schlüpft Visse erst in die Rolle einer trauernden und zugleich flirtenden Witwe, um danach den verstorbenen Gemahl gespenstisch-bizarr im Grab rotieren zu lassen. Und in "La Sonate" von Pierre de La Garde entfacht Visse mit den sieben Kombattanten von Café Zimmermann nach einer kleinen Orchesterprobe überwältigend stürmische Winde. Komplettiert wird diese amüsante wie anspruchsvolle Reise zurück in die Spaßkammern von Versailles durch lautmalerische Gambenkünste Marin Marais' sowie von zwei "Concertos comiques" von Michel Corrette.

Guido Fischer, 19.12.2009



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