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Odean's List

Odean Pope

In & Out/Inakustik 02071022
(63 Min., 10/2008) 1 CD

Odean Pope? Ja, den gibt’s noch. Und wie! Dass der 1938 geborene Saxofonist ein wenig aus dem Blickfeld geraten ist, liegt möglicherweise an seiner ausgeprägten Teamplayer-Seele. Man kannte ihn ja wahlweise als treuen Weggefährten von Max Roach oder als Anführer seines Saxophone Choir, wo er sich dem Namen entsprechend die Aufmerksamkeit mit acht weiteren Saxofonisten teilte. Auch auf "Odean’s List" sucht der stille Star die Gesellschaft illustrer Mitstreiter. Pope hat sich eine Mini-Big-Band zusammengestellt, in der James Carters Bariton gewissermaßen den Posaunen-Part übernimmt und Jeff "Tain" Watts am Schlagzeug für den entsprechenden Druck sorgt. Die von Pope verfassten Themen, die auf den Notenpulten des Oktetts liegen, sind fest in der Tradition der Jazzmoderne verankert. Klassischer Bebop, Monkeskes und an Coltranes "Giant Steps" Erinnerndes sind der Stoff, aus dem die Solisten mal Süffiges (Tenorsaxofonist Walter Blanding), Bärbeißiges (Carter) oder Himmelsstürmendes (Trompeter Terell Stafford) machen.
Der Atem bleibt einem aber immer regelrecht weg, wenn sich Pope dem Mikrofon nähert. Wie er beim "Blues for Eight" die Melodie vorträgt und gleichzeitig mit langem Atem zerlegt, wie er im Duett mit Bassist Lee Smith aus dem Standard "Say It Over and Over Again" die Meditation eines kompromisslosen Sound-Suchers macht – das ist schwere Kost und große Kunst zugleich. Da freut man sich, wenn man demnächst mal wieder etwas von Odean Pope hört. Gerne auch mehr und in kleinerer Besetzung.

Josef Engels, 19.12.2009



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