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Dieterich Buxtehude

Opera Omnia XI – Vokalwerke Teil 4

Bettina Pahn, Siri Thornhill, Miriam Meyer, Andreas Karasiak, Jörg Dürmüller, Klaus Mertens u.a., Amsterdam Baroque Orchestra, Ton Koopman

Challenge Classics/SunnyMoon CC 72250
(131 Min., 3/2006, 5 u. 9/2007, 5/2008) 2 CDs

Sigiswald Kuijken ist kürzlich knapp darum herumgekommen, Ton Koopman ist es üblerweise passiert: Es muss besonders schmerzlich sein, wenn einem das eigene Heimatland nach Jahrzehnten erfolgreicher Musiker- und Kulturbotschaftertätigkeit den Zuschusshahn zudreht. Für Koopman ist es der zweite große wirtschaftliche Schlag: Mit der Schließung seines früheren Labels Erato geriet schon seine Bachkantaten-Gesamtaufnahme bedrohlich ins Wanken, mit der Mittelkürzung sein Buxtehude-Projekt. In beiden Fällen musste Koopman u. a. mit privatem Vermögen einspringen – ein überaus beschämender Vorgang gerade auch vor dem Hintergrund sinnlos verbratener Bankenkrisen-Milliarden. Hier liegt indes der Grund für die nur schleppende Edition der wohl großenteils längst eingespielten Buxtehude-Werke. Und somit können wir nun, zwei Jahre nach dem Buxtehude-Jahr, den vierten Teil der Vokalwerke in Empfang nehmen. Auch er enthält wieder einen bunten Strauß aus Vokal-Concerti und frühbarocken Kantaten, jenen beiden Gattungen, die Buxtehude je für sich und in unterschiedlichsten kreativen Mischformen zur Vollkommenheit führte. Wir hören Musik auf deutsche, lateinische und auch dänische Texte, wir hören konzertierende Gesangs- und Instrumentalstimmen in verschiedensten Besetzungen. Und wir staunen über die vielfältige Fülle der Vokalmusik des Lübecker Marienorganisten, der in seiner Position eigentlich ja gar keine Gesangsstücke zu komponieren hatte. Entdeckt zu haben, wie umfangreich und bunt Buxtehudes Werk über die wenigen vormals bekannten Stücke hinaus ist, gehört für den Autor zu den wichtigsten Früchten des Buxtehude-Jahres. Koopmans Gesamtaufnahme trägt zu diesem Erkenntnisgewinn wesentlich bei – auch wenn rein sängerisch nicht immer alles zum Allerbesten steht: Die Damen und Herren, die hier singen, sind (wie oft auf Koopmans CDs) nicht durchgehend von allerhöchster Qualität. Sei’s drum: Koopmans unermüdlicher Fleiß im Heben und Erschließen gewaltiger musikalischer Schätze darf unangefochten als großartige Leistung gelten.

Michael Wersin, 09.01.2010



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