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Arnold Schönberg, Gustav Mahler

Pelleas und Melisande, Sinfonie Nr. 4

Juliane Banse, Gustav Mahler Jugendorchester, Claudio Abbado

medici arts/Naxos 2055488
(113 Min., 4/2006) 1 DVD

Seit Henri-Georges Clouzot 1967 seinen pionierhaften Pastorale-Film mit dem in seiner Eitelkeit gekränkten Karajan drehte, blieb das Genre "Konzertfilm" im Spagat zwischen simpler Tonuntermalung und eigenem filmischem Anspruch stecken. Claudio Abbado, Karajans ganz und gar uneitler ehemaliger Nachfolger in Berlin, hat nun im Verbund mit Hans Hulscher und Paul Smaczny etwas Neues, vielleicht gar Wegweisendes ausprobiert: Seine Wiener Konzertaufführung von Schönbergs spätromantischem Poem "Pelleas und Melisande" von 1902 kommentiert er mit zeitgenössischen Bildern des Symbolismus und der Wiener Sezession (der Schönberg bekanntlich selbst angehörte), ferner werden die dem Dreiecksdrama zugrunde liegenden Maeterlinck'schen Textpassagen passend zur musikalischen Szenenfolge eingeblendet und nicht zuletzt Schönbergs leitmotivisches Konzept farblich gekennzeichnet. Das mag für strenge Kenner der Materie schulmeisterlich sein, dient jedoch dem Normalhörer durchaus zum tieferen Verständnis des komplexen Jahrhundertwende-Opus, zumal dessen Entstehungszeit erfüllt war von einem synästhetischen, alle Künste umfassenden Ideal. Offensichtlich traute das DVD-Label dem mutigen Projekt selbst nicht so ganz, wie dem Cover zu entnehmen ist, das Mahlers Vierte (in reiner Konzertwiedergabe) in den Vordergrund rückt. Zu Unrecht – was die ungemein kontrastreiche, klangfarbenintensive Schönberg-Darbietung angeht. Andererseits: Die Kombination Mahler/Abbado ist nun mal längst ein Selbstläufer. Abbados junge Truppe mag – verständlicherweise – nicht auf jedem Posten an die inzwischen bereits legendären Mahler-Darbietungen seines Lucerne Festival Orchestra heranreichen, und auch die durchweg forsche, mit den subtil gesetzten Schwankungen wahrlich anspruchsvolle Tempowahl ihres Mentors können die Studenten nicht immer "perfekt" homogen realisieren. Gleichwohl bieten sie doch en gros eine Qualität, die längst nicht jedes gestandene Berufsorchester erreicht. Allein der "ruhevolle" Satz verströmt eine hinreißende, klar konturierte Grazie, der auch Juliane Banses gleichermaßen blutvoller wie augenzwinkernder Engelsgesang in nichts nachsteht. Ergo: frenetischer Applaus, vor allem für diesen einzigartigen Orchestererzieher.

Christoph Braun, 09.01.2010



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