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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 6

Tonhalle-Orchester Zürich, Zinman

RCA/Sony Music 88697 435449
(81 Min., 5 u. 6/2007) 2 CDs

Nicht nur die Berliner Philharmoniker haben die Möglichkeit der Imagepflege via Dokumentarfilm entdeckt: Auch der neuesten Folge von David Zinmans Mahlerzyklus mit dem Tonhalle-Orchester Zürich ist unter dem martialischen Titel "Going against Fate" eine DVD beigegeben, die alle beteiligten ins beste Licht rückt. Man erfährt in Viviane Blumenscheins Film, dass Mahlers Sechste ein bedeutendes Werk und Zinman ein großartiger Dirigent ist und erlebt die Schweizer Musiker als moderat ehrgeizige, aber zugleich auch ganz nette Menschen. Dazu gibt es ein paar Probenschnipsel und Tourimpressionen (Carnegie Hall!), die belegen, was für einen Sprung nach vorn das Orchester unter seinem Chef gemacht hat. Was zwar stimmt, durch die beiliegende CD mit der Sechsten aber wieder relativiert wird. Ähnlich wie in den vorhergehenden Folgen bleibt auch die Sechste blass und eigentümlich kraftlos – auch weil der Sound der Züricher eben nicht hinreicht, um die großen Emotionen auf CD zu beglaubigen. Schon der Beginn des zweiten Satzes ordnet das Tonhalle-Orchester in der zweiten Liga ein: Wo beispielsweise bei Claudio Abbados Luzerner Festival Orchester (Euro Arts) die Zärtlichkeit Klang wird, bleiben die Züricher Streicher ziemlich tranig. Oder auch der Kopfsatz: Schon unmittelbar nach dem allzu leichtgewichtig genommenen Marschthema, in der von Pizzicati begleiteten choralartigen Episode, hängt bei Zinman die Spannung durch – sowohl der etwas wuchtiger vorgehende Gielen oder der unerbittliche George Szell (um nur einige Vergleichsaufnahmen zu nennen) zeigen, wie man's besser macht. Kein Mahler, den die Welt braucht. Warten wir lieber auf die nächste Folge von Markus Stenz' Zyklus.

Jörg Königsdorf, 09.01.2010



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