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Schall und Wahn

Das Rosa Rauschen

Jazzwerkstatt/Records Vertriebsges. JW 078
(56 Min., 10/2008) 1 CD

Schon mal rosa Rauschen gehört? Na ja, nichts verpasst – es sei denn, dass man den Klang weit entfernten Dauerregens in einem Atomschutzbunker spannend findend. Das Rosa Rauschen, die Band aus Berlin, ist glücklicherweise deutlich aufregender als das Phänomen, nach dem sie sich benannt hat. Angetrieben von den beiden Köpfen John Schröder an der Gitarre und dem für die Kompositionen zuständigen Altsaxofonisten Felix Wahnschaffe begibt sich das Quartett (mit Oliver Potratz am Bass und Eric Schaefer am Schlagwerk) auf eine genau berechnete Route. Obwohl ein Stück mit "TomTom" wohl nicht ohne Grund nach einem Navigationsgeräte-Hersteller benannt wurde, muss man aber nicht glauben, dass man auch als Hörer immer exakt weiß, wo man sich gerade befindet.
Mit ausgesprochen gut organisierter Skurrilität verlässt der Viererbund immer wieder blitzartig die holprige Bebop-Landstraße, auf der sie gerne dreist rechts überholt, und rast in das Stoppelfeld der freien Improvisation. Einmal, bei der Nummer "Mister und Misses Darwin auf dem Weg nach Panama", werden sogar flink während der Tour die Fahruntersätze und Kontinente getauscht – vom ausrangierten zentralamerikanischen Kleinbus geht’s im Schweinegalopp in eine alpenländische Kutsche. Das Spannende am Rosa Rauschen ist, wie zwischen den Extremen der punktgenauen Absprache und des Ins-Kraut-schießen-Lassens vermittelt wird. Der Viererbund umgeht überzeugend die Klischees gleichermaßen der gebundenen wie freien Improvisationsmusik. Der Preis ist – trotz wieselflinker Gitarrenlinien – eine gewisse ironische Kühle, die beim rockigen Rausschmeißer "Schweinebreit" weit über Bord geworfen wird.

Josef Engels, 09.01.2010



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