Auf dem Kontinent vergaß man über Haydn, Händel und Mendelssohn glatt, dass 2009 noch ein weiteres Komponistenjubiläum anstand: Die Feier von Henry Purcells 350. Geburtstag blieb im Wesentlichen eine englische Angelegenheit, in deren Zentrum natürlich eine Neuinszenierung von "Dido and Aeneas" an Covent Garden stand. Gefeiert wurde auf die feine englische Art: Der mit der Inszenierung betraute Choreograf Wayne McGregor hüllt die Sänger in weite Kostüme und lässt sie würdig dahinschreiten, dieweil Tänzer in knappen Leibchen mit dekorativem, aber weitgehend bedeutungsfreiem Posing die Bühne füllen. Die gibt in ihrer minimalistischen Bob-Wilson-Optik den würdig-schlichten Rahmen, in dem eine ganz konventionelle "Dido and Aeneas"-Aufführung stattfindet: Ein paar mehr gescheite Gedanken über die gesellschaftlichen Zwänge, in denen die Regentin befangen ist, oder auch nur über die anarchische Zerstörunglust der Hexen hätten da schon noch Platz gehabt. Was die Verschmelzung von Tanz und Gesang angeht, war Sasha Waltz’ spektakuläre Produktion schon weiter, und wer es opulent mag, ist ohnehin mit der stimmungsvollen BBC-Verfilmung unter Richard Hickox mit der charismatischen Maria Ewing besser bedient. Musikalisch ist die handverlesen besetzte Produktion dagegen ein Volltreffer. Alte-Musik-Veteran Christopher Hogwood gibt einen Purcell-Klang von barocker Tiefe und prägnanten Akzenten vor, der gut zu dem fülligen Tragödinnenton von Sarah Connollys Dido passt. Eine Karthagerkönigin aus dem Geist von Kirsten Flagstad und Janet Baker, in deren Busen Stolz, Einsamkeit und Verletzlichkeit gären.

Jörg Königsdorf, 16.01.2010



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