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Dan Berglund’s Tonbruket

Dan Berglund

ACT/Edel 0090232ACT
(55 Min.) 1 CD

Schon im Esbjörn Svensson Trio kam ihm die Rolle des Rockers zu: Wenn Dan Berglund solierte, dann jagte er seinen Kontrabass gerne mal durch den Verzerrer, auf dass sein Instrument klingen möge wie ein Höllenhund. Deswegen sollte man als e.s.t.-Kenner nicht über die Maßen erstaunt sein, dass Berglunds erste Soloplatte nach Svenssons Tod nicht unbedingt viel mit lupenreinem Jazz zu tun hat. Überrascht darf man aber schon sein, was der einschüchternd ausschauende Glatzkopf mit dem sanften Wesen da für ein eigentümliches Quartett zusammengestellt hat. Es wimmert Johan Lindströms Steel-Gitarre, es pocht Andreas Werliins Schlagzeug wie ein wütend aufstampfender Klumpfuß, es wimmert, faucht und klimpert Martin Hederos Tasteninstrumentarium nebst Geige und Akkordeon.
Eine eigentümliche Atmosphäre bestimmt dieses Album, das mal klingt wie ein Schwoof auf einer knarzenden Südstaaten-Veranda, mal wie ein Besuch in einer schummrigen Westernbar mit Discokugel und verstimmtem Piano, mal wie Bill Frisell mit Cowboyhut und defekter Festplatte. Und ja: Mit Nummern wie "Sister Sad" oder "Monstrous Colossus" gelingt es Berglund, ganz neue Genres, die man Country-Progrock oder Folk-Heavy-Metal nennen mag, aus der Taufe zu heben. Während eines Stücks hält man ergriffen inne – denn es ist nicht schwer zu erraten, wem der "Song for E", den sich ein bewusst unvirtuoses Klavier, ein still klagender Bass und ein vorsintflutlicher Drum-Computer teilen, gewidmet ist. e.s.t. ist weit weg. Und doch, auf eine völlig andere Art, ganz nah.

Josef Engels, 23.01.2010



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