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Heinrich Schütz

Vokalwerke

Dietrich Fischer-Dieskau, Stuttgarter Kantatenchor, August Langenbeck u.a.

Hänssler Classic/Naxos 94.206
(66 Min., 1953-59) 1 CD

Dass diese Schütz-Aufnahmen des SWR aus den Fünfziger Jahren nicht mit jenen Schütz-Einspielungen der letzten 15 Jahre verglichen werden können, die im Rahmen der historisierenden Aufführungspraxis entstanden sind, dürfte klar sein: Was man durch die Beschäftigung mit Originalquellen und historischen Instrumenten an interpretatorischen Fertigkeiten hinzugewinnen konnte, das hat uns mittlerweile gerade die Musik von Heinrich Schütz viel näher gebracht, als das jemals zuvor möglich war. Schütz gehörte zu jenen Pionieren, die die in Italien zu früher Reife gelangte musikalische Rhetorik erstmals auf die deutsche Sprache übertrugen, und die interpretatorische Umsetzung dieses sensiblen Wort-Ton-Verhältnisses musste in jüngerer Zeit tatsächlich vollkommen neu erlernt werden. Entsprechend hört man auch bei Fischer-Dieskau noch vieles, was uns heute hölzern oder unpassend vorkommt: stark strapazierte Nebensilben, etwas zu süßliche, aus dem romantischen Liedgesang übernommene Klangfarben etc. Die Streicher sekundieren mit teils exzessivem Vibrato. Und dennoch: Wenn auch diese Aufnahmen vor allem historische Dokumente sind und den an die historisierende Praxis gewöhnten Hörer deshalb nur auf dem Umweg des "Ach, so machte man das damals" erreichen – einzelne Passagen oder auch ein Stück wie "Fili mi, Absalon" als Ganzes erreichen in ihrer interpretatorischen Intensität eine zeitlose Größe, denn Fischer-Dieskau, hier im Vollbesitz seiner einstmals reichen stimmlichen Mittel, war unbestritten ein Könner des singenden Deklamierens. Dieses Können sticht immer wieder als absolute Größe auch aus seinem Schütz-Gesang hervor, auch wenn seine interpretatorischen Mittel weitgehend nicht diejenigen sind, die man heute in frühbarocker Musik zum Einsatz bringt.

Michael Wersin, 30.01.2010



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