Auf DVD ist Schostakowitschs wichtigste Oper zwar nicht mit vielen, dafür aber mit umso hochkarätigeren Produktionen präsent: Nach der Kinoversion, die in den sechziger Jahren unter Mitwirkung des Komponisten gedreht wurde, bekräftigte vor allem die 2006 an der Amsterdamer Oper herausgekommene Produktion des Teams Martin Kusej und Mariss Jansons den Status der "Lady Macbeth von Mtsensk" als eine der großen Opern des 20. Jahrhunderts. Vor allem Kusejs Regie zeigte beklemmend, dass die junge Kaufmannsfrau Katerina nicht allein Giftmörderin, sondern selbst ein Opfer der um sie herum herrschenden Roheit ist. Gegenüber der Amsterdamer Produktion bleibt die zwei Jahre später aufgenommene Aufführung des Florentiner Maggio Musicale leider in allen Punkten zurück: Die Inszenierung Lev Dodins kleidet das Stück in pittoreske Russenfolklore: Kopftuchmuttis und gestiefelte Muschiks tummeln sich in imposanter Vollholz-Kulisse, und selbst wo Schostakowitschs Musik grell und brutal wird, bleibt's auf der Bühne züchtig. Kein Wunder, dass selbst der Boris von Vladimir Vaneev hier längst nicht so fies wirkt wie in der Amsterdamer Version. Die Amerikanerin Jeanne-Michèle Charbonnet besitzt weder das darstellerische Charisma für die verzweifelte Frau noch die richtige Stimme: Ihr durch etliche Elektras überstrapazierter Sopran hat zwar matronenhafte Tiefe, aber nur noch eine ausgeleierte Höhe zu bieten. Das Festival-Orchester spielt unter James Conlon zuverlässig und klangschön, ohne dabei den Biss und die Dringlichkeit anderer Produktionen zu erreichen. Und am Ende schneit's Papierfetzen, die man nicht mal Italienern als Schnee verkaufen kann.

Jörg Königsdorf, 30.01.2010



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