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EGIS

Sebastian Studnitzky

Herzog Records/Edel 0901016HER
(49 Min., 2009) 1 CD

Es ist sicherlich kein Zufall, dass hier zwei Mitglieder des inzwischen in aller Welt berühmten DJ- und Produzenten-Kollektivs Jazzanova ihre Hände mit im Spiel hatten: Man muss von einer Seelenverwandtschaft zwischen den begnadeten Amateuren und dem bestens ausgebildeten Jazztrompeter sprechen. Sebastian Studnitzky gehört nämlich zu einem neuen Typus des Improvisationsmusikers – er ist jemand, der sich die Möglichkeiten der digitalen Studiomoderne zueigen macht, anstatt sie zu verteufeln. Außerdem hat er ein offenes Ohr für aktuelle Pop-Entwicklungen, ohne sich aber auch nur eine Sekunde lang daran anzubiedern.
Auf "Egis", der zweiten Veröffentlichung des in Berlin lebenden Schwarzwälders, klingt vieles an, was in den vergangenen Jahren von gegenwartsoffenen Jazzfreunden gemocht wurde: das skandinavische Sentiment eines Bugge Wesseltoft beispielsweise oder die deutsche Ingenieursverschrobenheit von The Notwist. Studnitzky klingt aber immer nach Studnitzky – sei es, dass er mit seiner Trompete in Stücken wie "Reminiscing" oder "Moskau" geradezu in die Ohrmuschel des Hörers kriecht, sei es, dass er als ebenso fähiger Pianist satiehaft hypnotische Melodien formuliert (wie beispielsweise im Titelstück).
Egal, was auf "Egis" passiert – mal ist ein Streichquartett zu hören, mal gar ein programmiertes, aber sehr lebensecht klingendes Schlagzeugsolo – es hat alles Hand, Herz und Fuß. Es scheint, dass Studnitzky einen Weg gefunden hat, den angestaubten Clubjazz der Jahrtausendwende zu aktualisieren. Freilich nicht aggressiv und zukunftsoptimistisch wie ehedem, sondern still in sich hineinhörend. Die Kraft liegt hier in der Melancholie.

Josef Engels, 30.01.2010



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