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Franz Schubert

Heliopolis – Lieder

Matthias Goerne, Ingo Metzmacher

harmonia mundi HMC 902035
(72 Min., 11 u. 12/2008, 2/2009) 1 CD

Bloß keine Routine soll bei der auf zehn CDs angelegten Schubertreise aufkommen. Weshalb Bariton Matthias Goerne zu gleich zwei lohnenswerten Maßnahmen greift. Trotz thematischer Klammern bleibt auf jeder der nun vier eingespielten Lieder-CDs immer auch ein Hintertürchen offen, was die Sujets angeht. Und im Gegensatz zu einer zusammengeschweißten Liaison zwischen Sänger und Pianist wechselt Goerne von Aufnahme zu Aufnahme seine begleitenden Gesprächspartner. Nach versierten Liedpianisten wie Christoph Eschenbach und Helmut Deutsch hat Goerne nun für Folge Nr. 4 eine Überraschung aus dem Hut gezaubert: Es ist Ingo Metzmacher, der seiner Klavierpassion öffentlich wohl das letzte Mal beim Frankfurter Ensemble Modern gefrönt hat. Eingerostet sind seitdem seine Finger nun wirklich nicht: Er meistert den Klaviersatz, die Temporelationen und den sinnlichen Reiz mit aller Souveränität.
Unter das antike Titelmotto "Heliopolis" hat Goerne seine Auswahl der insgesamt 19 Lieder gestellt. Aber wie schon angedeutet, sind hier nicht allein nur "Die Götter Griechenlands", "Philoktet" und der "entsühnte Orest" gefragt. Bei Ludwig Uhlands "Frühlingsglaube" oder Mayrhofers "Abschied" kann man Arkadien nur noch aus gehöriger Distanz wahrnehmen (teilweise verstärkt ein gewisser Studiohall diesen Eindruck noch). Goerne ist ein Liedsänger, der nicht vom Primat des Wortes ausgeht, sondern die Lieder aus der Musik herausschält. Der Hörer wird Zeuge einer beglückenden sprachmelodischen Durchdringung, die der emotionalen und atmosphärischen Komplexität der Schubert'schen Partituren durchweg gerecht wird. Im partnerschaftlichen Zusammenspiel mit Metzmacher wird Goerne zu einem eindringlichen und vollkommen unprätentiösen Vermittler des zu Vermittelnden. Der Aufnahme liegt noch eine Bonus-DVD mit der Dokumentation der Studiosessions bei.

Guido Fischer, 06.02.2010



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