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Ludwig van Beethoven

Klavierwerke

Wilhelm Backhaus

Hänssler Profil/Naxos PH10006
(146 Min., 1954/56) 2 CDs

In den fünfziger Jahren stand Wilhelm Backhaus im Zenith seiner Karriere: Bei noch immer makelloser Technik hatte sein Klavierspiel nach dem Krieg eine Empfindungstiefe und einen inneren Atem gewonnen, die Backhaus' brillanten, aber allzu schnörkellosen Aufnahmen aus den zwanziger und dreißiger Jahren oft fehlt. Der 1954 entstandene Mitschnitt seines Beethoven-Abends aus der Carnegie Hall zeigt die Meisterschaft des damals 70-Jährigen noch beeindruckender als seine später entstandenen, oft schon etwas knorrig-verhärteten Studio-Einspielungen. Im Gegensatz zu seinem quecksilbrigen Konkurrenten Wilhelm Kempff ist Backhaus' Spiel wuchtiger, meidet in der Regel Tempoextreme (Ausnahme: der von quälender Unrast durchzogene Kopfsatz der "Pathétique") und lässt statt dessen Raum für eine unforcierte, tiefernste Empfindsamkeit. Egal ob bei kleinen Werken wie der Sonate op. 79 oder bei gewichtigeren Stücken wie der "Sturm"-Sonate oder dem Opus 111 – immer wieder fasziniert das untrügliche Gefühl, mit dem Backhaus jeweils das Gleichgewicht zwischen Heroismus und Innerlichkeit findet, wie sein Spiel auch bei lyrischen Zurücknahmen (etwa im Kopfsatz von Opus 111) nie an innerer Dringlichkeit und Binnenspannung verliert. Und welcher Pianist verfügt heute, nur gut fünfzig Jahre später, überhaupt noch über so klare, farbkräftige Bass-Töne und ein derart unaffektiert singendes piano? Dass Backhaus mehr konnte als Beethoven, verraten die Zugaben, die der Doppel-CD neben einem (ebenfalls aus New York stammenden) Mitschnitt des Beethoven'schen G-Dur-Konzerts beigegeben sind: Schubert, Schumann, Liszt und Brahms, hinreißend schön, aus tiefstem Herzen kommend.

Jörg Königsdorf, 13.02.2010



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