Chinas bekanntester Filmemacher Zhang Yimou ("Rote Laterne") machte es mit seiner "Turandot" in der verbotenen Stadt vor, nun hat sein Kollege Chen Kaige nachgezogen: An Valencias rührigem Opernhaus gab der Regisseur des Pekingopern-Dramas "Lebe wohl, meine Konkubine" im Mai 2008 mit Puccinis nachgelassenem Meisterwerk sein Musiktheater-Debüt. Und mit ganz ähnlichem Ergebnis: Nicht anders als Zhang beschränkt sich auch Chen auf buchstabentreue Nacherzählung der Handlung und liefert opulentes Chinadekor, statt sich Gedanken über die expressionistischen, filmnahen Züge des Stücks zu machen und beispielsweise einen Bogen zu Fritz Langs "Metropolis" zu schlagen. Kennzeichnend, dass der Filmregisseur die (ziemlich konventionelle) DVD-Regie nicht selbst übernahm: Eine subtile Personenregie, deren Feinheiten die Kamera ins rechte Licht gerückt hätte, ist hier eh nicht vorhanden. Die Sänger machen in diesem monumentalen Klischee-Peking nichts anderes als das, was sie vermutlich in allen herkömmlichen "Turandot"-Produktionen von New York bis Istanbul tun. Das allerdings gut: Maria Guleghina hat nicht nur einen gesund klingenden kraftvollen Höhenstrahl für die eisgegürtete Prinzessin, sondern auch ein paar menschlichere piano-Töne, Alexia Voulgaridou, die in ihren Kostüm leider aussieht wie eine Hippie-Oma aus Ibiza, lässt ihre Liu in zartschmelzenden Diminuendi ersterben, und Marco Berti liefert seinen "Nessun Dorma"-Hit sicher, wenn auch nicht besonders spannend ab. Zubin Mehta steuert das Orchester unfallfrei durch den Abend, ohne dabei freilich irgendetwas Besonderes mitzuteilen.

Jörg Königsdorf, 20.02.2010



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