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Olivier Messiaen

Poèmes pour Mi, Les offrandes oubliées, Un sourire

Anne Schwanewilms, Nationalorchester von Lyon, Jun Märkl

Naxos 8.57 2174
(53 Min., 7/2008) 1 CD

Nein, einfach eine irdische Liebeserklärung an seine Frau konnte Olivier Messiaen nicht komponieren. Die neun "Poèmes pour Mi", für die 1936 Messiaen gleich auch die Texte schrieb, spiegeln die Gewissheit des strenggläubigen Katholiken, dass Natur und Mensch nur in Gott existieren können. Die konstruktive Freiheit und das Überwältigtsein vor der Schöpfung, die Suche nach der Wahrheit und vor allem die Musik als Lobpreis des Göttlichen – all dies bildet in den Liedern, die auf zwei Bücher verteilt sind, jenes Fundament und Rückgrat, das sich bei Messiaen wie ein roter Faden durchs gesamte Schaffen zieht. Wie bei den anderen großen Ultra-Gläubigen des 20. Jahrhunderts, wie bei Penderecki und natürlich dem Messiaen-Schüler Stockhausen, muss man aber nicht vorher die Beichte abgelegt haben, um magisch angezogen zu werden. Von diesen impressionistischen Klangdüften, von diesem Post-Wagner'schen Melos und den eingestreuten, wild-energetisch-gezackten Rhythmen.
Die in der Orchesterfassung eingespielten Hymnen und Dankgebete sind mit ihrer berückend-schönen und sehnsüchtigen Aura jetzt in den besten Händen. Bei der Sopranistin Anne Schwanewilms, die mit ihrem dunkel leuchtenden Tonfall Eindringlichkeit statt Pathos bietet. Und wie Jun Märkl das Orchestre National de Lyon hier und ebenso in den beiden Orchesterwerken "Les offrandes oubliées" und "Un sourire" prismatisch glitzern und sinnlich nachdenken lässt, kommt höchster Musizierkunst gleich. Doppelt schade ist es daher, dass interne Orchester-Querelen den Chefdirigenten Jun Märkl gezwungen haben, seinen 2011 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Als gebürtiger Münchner ist er aber ja dann frei, um irgendwann die örtlichen Philharmoniker zu übernehmen.

Guido Fischer, 06.03.2010



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