Responsive image

Joshua

Fjoralba Turku-Quartet

Traumton/Indigo 942732
(56 Min.) 1 CD

Man möge den Autor gerne korrigieren: Aber Albanien ist bislang ja wohl noch nicht wirklich machtvoll auf der Landkarte des Jazz erschienen. Das könnte sich jetzt ändern. Denn das, was die junge, in Tirana geborene und mit neun Jahren unter abenteuerlichen Umständen nach München geflohene Sänger Fjoralba Turku da auf ihrer Debütaufnahme präsentiert, macht wirklich mehr als neugierig.
Man kann sich regelrecht in das Albanische verlieben. Es muss denn auch irgendetwas mit ihrer klangreichen, weichen Muttersprache zu tun haben, dass Fjoralba Turku so singt, wie sie singt: dunkel strahlend, voller Würde und mit einem ganz eigenen, ganz dezenten Vibrato. Bei den albanischen Volksliedern, die Turku auf "Joshua" neben eigenen Stücken und gut ausgewählten Fremdkompositionen von u.a. Charles Mingus oder Mal Waldron interpretiert, ist keinerlei Ethnokitsch zu spüren. Wie überhaupt die gesamte Einspielung dank der Arrangements der ebenfalls entdeckenswerten Pianistin Andrea Hermenau weit davon entfernt ist, die typischen Balkan-Klischees zu bedienen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut hier alles zueinander findet: Der moderne, differenzierte und energiereiche Modern Jazz von Hermenau und ihren instrumentalen Mitstreitern (Benjamin Schäfer und Paulo Cardoso am Bass, Johannes Jahn am Schlagzeug), die leicht orientalisch eingefärbten Melodien und Metren der albanischen Lieder, die große, eigenständige, zwischen Ost und West vermittelnde Sangeskunst Turkus. In Abwandlung eines Werbespruchs der Filmwirtschaft lässt sich dazu nur sagen: Dafür wird Jazz gemacht.

Josef Engels, 20.03.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top