Responsive image

Rebirth

Tribe

Planet E/AL!VE 6145952
(72 Min., 2007) 1 CD

Das 1971 vom Saxofonisten Wendell Harrison und dem Posaunisten Phil Ranelin in Detroit gegründete Kollektiv Tribe war weit mehr als nur eine Band: Es war der selbstbewusste Versuch einer Gruppe schwarzer Musiker, mit einem eigenen Label und einem eigenen Magazin die Produktions- und Publikationsbedingungen ihrer künstlerischen Erzeugnisse selbst zu bestimmen. Bis 1976 währte das Abenteuer. Und findet jetzt eine überraschende Fortsetzung. Überraschend deshalb, weil hinter der Wiederbelebung von Tribe mit Carl Craig ein weltweit bekannter Dancefloor-Spezialist aus Detroit steckt, der gerade mal zwei Jahre alt war, als sich das Kollektiv zusammentat – und der sich außerdem als Techno-Produzent einen Namen machte. "Rebirth" ist vor diesem Hintergrund auch als Beleg zu verstehen, wie viel Einfluss die Musik von Tribe auf spätere musikalische Entwicklungen in Detroit und von dort aus im Rest der Welt hatte.
Was ebenfalls auffällt: Craig ist ein angenehm zurückhaltender Produzent. Viele Stücke auf "Rebirth" klingen so, als wären sie gerade frisch aus einer Zeitmaschine geplumpst, die in den Siebzigerjahren Halt gemacht hat. Der Space-Jazz der Auftaktnummer "Livin’ in a New Day", der an James Brown und an Miles Davis’ "On the Corner" erinnernde Funk in "Son of Tribe" oder "Ride" legen davon Zeugnis ab. Selbst für einen hübsch altmodischen Blues ("13th and Senate") ist Platz. Und doch bringt Craig auch einen Schuss Modernität ins Spiel. Mal erinnert ein tiefer Synthbass entfernt an die Drum&Bass-Exzesse der Neunziger, mal lässt er in einem Stück wie bei einem Remix einfach die Rhythmusspuren weg, auf dass man nur die Bläserstimmen hört. Das ist – wie alles auf "Rebirth" – aber kein Gimmick, sondern eine Verbeugung vor den verflixt jazzig-funkigen Tribe-Bläsersätzen.

Josef Engels, 10.04.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top