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Johann Sebastian Bach

Brandenburgische Konzerte

Le Concert des Nations, Jordi Savall

Alia vox/harmonia mundi AVSA 9871
(99 Min., 3/1991) 1 CD

Nein, Jordi Savalls Aufnahme der "Brandenburgischen" ist keine explizit "spanische" Interpretationsvariante, sondern – wie viele andere historisierende Einspielungen auch – eine gewissermaßen gesamteuropäische: Wir hören etwa Friedemann Immer als Trompeter im Zweiten, Pierre Hantaï als Cembalist im Fünften gemeinsam mit Fabio Biondi an der Geige, Lorenz Duftschmid und Eunice Brandao als Gambisten im Sechsten. Darüber hinaus haben wir hier übrigens auch keine neue Interpretation vor uns: Die Aufnahmen fanden schon 1991 statt.
Das Ergebnis korrespondiert zu diesen Rahmenbedingungen: Wir hören eine sehr kultiviert musizierte, streckenweise gediegene Version, bei der sich die All-Star-Besetzung durchaus positiv auf das grundsätzliche Niveau auswirkt (wobei Friedemann Immer den schweren Trompetenpart des Zweiten heutzutage noch viel besser spielt). Allerdings mangelt es durchweg an Höhepunkten, an Wagnissen in der Darbietung, an expliziter Herausarbeitung von interessanten Details, an profilierter Durchgestaltung der Substanz. In dieser Hinsicht haben die seit der Einspielung vergangenen 19 Jahre manch spannendere Gesamtaufnahme erlebt: zuletzt etwa die von John Eliot Gardiner (SDG), der die komplexe Satzstruktur auch in der Breite zum Erlebnis zu machen versteht, weil bei ihm jedes einzelne Motiv sowohl für sich als auch im kommunikativen Verbund Kontur erhält und zu sprechen beginnt. Auch treten bei Gardiner Besonderheiten wie die aufreizend in Triolen rüsselnden Hörner im ersten Satz des Ersten viel prägnanter zu Tage. Bei Savall hören wir dagegen oft nur ein sehr braves, flächiges Musizieren. Komisch: Da hatten wir gerade von ihm mehr erwartet.

Michael Wersin, 24.04.2010



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