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Johann Pachelbel

Vespers

The King's Singers, Charivari Agréable, Kah-Ming Ng

Signum Classics/Note 1 SIGCD 198
(72 Min., 6/2009)

Eine in puncto Programm recht eigenwillige CD: Eigentlich stellt man sich unter dem lapidaren Titel "Vespers" vor allem eine Reihe abwechslungsreicher Psalmvertonungen vor, thematisch zusammengestellt womöglich zu einer Marien- oder Heiligen- oder Festtagsvesper. Gerade solche Psalmvertonungen gibt es auf dieser CD aber gar nicht. Stattdessen präsentieren die King's Singers nicht weniger als fünf verschiedene "Ingressus", Vespereinleitungen also ("Deus in adiutorium meum intende" etc.). Hinzu kommen immerhin zwei Magnificat-Vertonungen. Ergänzt wird das Programm allerdings von zwei instrumentalen "Sonatae à 5" aus der Feder von Johann Krieger und Johann Caspar Kerll – wundervolle Kammermusik-Perlen immerhin, die aber mit Vespern überhaupt nichts zu tun haben.
Was soll's: Nehmen wir das Programm, wie es ist, und genießen wir einfach die Musik als solche. Pachelbels Vespernummern sind als hochprofessionell verfertigte Gebrauchsmusik sehr schön anzuhören. Der konzertante Dialog zwischen Streichinstrumenten und Gesangsstimmen, in Sachen Besetzung ständig wechselnd, steigert sich immer wieder zu wahrhaft erhebenden Momenten – vor allem dann, wenn sich alle beteiligten Kräfte zu breiten Tutti-Effekten zusammenfinden. Im Tutti klingen auch die King's Singers am allerbesten. Sind sie solistisch oder in unterschiedlichen Duett-Formationen gefordert (was hier oft der Fall ist), dann zeigt sich gelegentlich, dass nicht alle von ihnen wirklich dazu geschaffen sind, sich einzeln zu produzieren. Sehr geschmackvoll musiziert das auf historische Instrumente spezialisierte Ensemble "Charivari Agréable" unter Leitung des malaysisch-kantonesischen Cembalisten Kah-Ming Ng: Die Damen und Herren gestalten ihre Partien höchst elegant mit jener rhetorisch-musikalischen Lebendigkeit und Eloquenz, die man von guten Alte-Musik-Gruppierungen heutzutage erwarten darf. Mit den King's Singers, die sich hier auf ein für ihre Verhältnisse eher ungewöhnliches Programm eingelassen haben, musizieren sie auf gleicher Augenhöhe. Der interpretatorische Gesamteindruck überzeugt daher am Ende doch.

Michael Wersin, 01.05.2010



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