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Robert Schumann

Sämtliche Orgelwerke

Mario Hospach-Martini

Berlin Classics/Edel 0016562BC
(69 Min., 5 u. 6/2009)

Es sind nun wirklich nicht seine Orgelkompositionen, für die Robert Schumann bekannt ist. Ein Schumannjahr erweist sich daher vielleicht als günstig, diese verborgene Werkgruppe des Romantikers auf CD zu präsentieren – eine einzige CD genügt übrigens dafür, denn die insgesamt 16 Stücke, verteilt auf drei Opera, haben kaum mehr als eine Stunde Spielzeit. Aber wenngleich Schumann sich nur recht wenig um die Orgel als mögliches Medium seiner Ideen gekümmert hat: Ins Zentrum seiner Interessen stößt man mit den Orgelwerken doch, denn sie sind allesamt inspiriert durch die Musik des großen Johann Sebastian Bach, den Schumann zutiefst verehrte und, über die Zeiten hinweg, als Lehrmeister betrachtete. So manche selige Stunden haben ihm besonders die Fugen Bachs beschert, und da das Beherrschen kontrapunktischer Kompositionstechniken auch im 19. Jahrhundert durchaus noch zu den Standards des tonsetzerischen Könnens gehörte, war es nur naheliegend, dass Schumann dem geschätzten Meister nacheiferte. So entstanden im Jahre 1845 die erwähnten drei Opera: "Sechs Studien in kanonischer Form" op. 56, "Vier Skizzen" op. 58 und "Sechs Fugen über BACH" op. 60. Dieser Musik zu lauschen ist durchaus ein originäres Schumannerlebnis, wie sich schnell zeigt: Schumann betätigte sich nämlich keineswegs als epigonaler Stilkopist, sondern verwandelte sich das bei Bach Gelernte auf durchaus kreative Weise an. Sein Interesse an Bach war niemals ein historistisches, was man schon allein daran erkennt, dass er neben Bach auch Jean Paul als überaus wichtigen Kontrapunktlehrer nannte. Das romantische Musikerlebnis, das diese CD vermittelt, wird im Übrigen maßgeblich verstärkt durch die herrlichen Klangfarben der Orgel in der Stadtkirche Winterthur, auf der Mario Hospach-Martini seine in jeder Hinsicht kompetente Einspielung verwirklichte. Ein Hochgenuss sind besonders die streichenden Register, die umfassend zur Anwendung gelangen. Einerseits durch die geglückte Registrierung, andererseits durch differenzierte Artikulation und Phrasierung versteht es Hospach-Martini, diese selten zu hörende Musik optimal zur Geltung zu bringen.

Michael Wersin, 01.05.2010



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