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Cocoa

Moonsun Christophe Schweizer

Unit Records/AL!VE 1479202
(63 Min.)

Das ist doch mal in der Tat ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Album! Es fängt schon mit der eigentümlichen Verpackung an, die sich, wenn man die CD aus dem Pappschuber herausholt, gewissermaßen in eine Schokoladentafel verwandelt. In Kombination mit dem Foto auf dem Cover, das den Posaunisten Christophe Schweizer irritierend als zerbröselnden Kakao-Mann zeigt, kann man gewiss sein: Die Geschmacksrichtung ist herb – was aber ähnlich süchtig machen kann wie die Musik auf dem Tonträger. Die ist intensiv, rhythmisch komplex, fordernd. Sie lässt sich nicht einfach so konsumieren und ist dennoch oft ein Genuss, den man nicht bereuen muss.
Schweizer, der lange in New York lebte, hat sich eine phänomenale, weil enorm eng verzahnt agierende internationale Band zusammengestellt. Mit David Binney am Altsaxofon, Jacob Sacks am Klavier, Hans Glawischnig am Bass und Dan Weiss an den Drums sind hier klar erkennbare Individualisten am Werk, die Schweizers Konzept "Groove und Freiheit" durchdringen wie Kakaopulver die Milch. Das Ergebnis ist ein Gebräu, das mal zuckersüß im ungeraden Takt tänzelt wie Dave Brubeck mit Sicherheitsnadel im Ohr, sich so urban to-go ausnimmt wie ältere Platten von Robin Eubanks und zuweilen dann auch wieder so heiß und hitzig ist, dass man sich die Ohren daran verbrennt. So eine Schweizer Schokolade hat man noch nie probiert.

Josef Engels, 08.05.2010



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