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Alexander Skrjabin, Max Reger, Joseph Jongen

divergences

Joseph Moog

Claves/Klassik Center CLA50-1005
(69 Min., 11/2009)

"Divergences" hat der 21-jährige Joseph Moog sein zweites Soloalbum betitelt – und tatsächlich scheint die einzige Gemeinsamkeit der drei vertretenen Komponisten zu sein, dass sie im Abstand von wenigen Monaten geboren wurden: Alexander Skrjabin 1872, der Belgier Joseph Jongen und der Deutsche Max Reger im Jahr darauf. Ansonsten aber geht die stilistische Orientierung der drei denkbar weit auseinander: Während der erst in letzter Zeit wiederentdeckte Jongen sich in seinen Klavierstücken wie "Clair de lune" und "Soleil à midí" an Debussy und Déodat de Séverac orientiert, blickt Reger in seinem letzten Klavierwerk "Träume am Kamin" zurück auf das 19. Jahrhundert – vor allem auf Brahms, aber überraschenderweise auch auf Chopin, deren Werke nahezu wörtlich zitiert und auf behutsame Weise gebrochen werden. Die Stücke von Reger und Jongen sind echte Entdeckungen, mit denen sich der junge deutsche Pianist vorteilhaft in Szene setzen kann. Dass er flinke Finger hat, bewies Moog schon auf seiner Debüt-CD mit Liszts Klavierkonzerten, bei Reger zeigt er nun auch ein Gespür für intimere Stimmungswerte. Natürlich kann man sich das alles noch klangfeiner vorstellen, doch auch bei Skrjabins Klavierwerken, wo die Messlatte höher liegt, behauptet sich Moog achtbar, auch wenn der gesunde, kernige Ton, mit dem er die vierte und die siebte Sonate absolviert, eher nach Liszts Konzertetüden als nach den fragil-überreizten Klangvisionen des Russen klingt.

Jörg Königsdorf, 08.05.2010



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