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Robert Schumann

Sinfonien Nr. 1 u. 2 Sinfonien Nr. 3 u. 4

Königliche Philharmoniker Stockholm, Sakari Oramo

Sony Classical 88697 43707-2, Sony Classical 88697 64687-2
(68 Min., 9/2008 u. 9/2009))

Es ist nicht eben leicht für einen heute 45-jährigen Dirigenten, ein eigenes, unverwechselbares, geschweige denn "neues" Schumannprofil zu entwickeln. Denn die Lesarten, die die bedeutendsten Schumann-Exegeten unserer Tage von Harnoncourt und Gardiner über Zinman und Norrington bis Dausgaard anbieten (betont dramatisch, sportiv mitreißend, psychologisch feinfühlig oder auch tänzerisch elegant) – diese Deutungsarten (natürlich auf der Grundlage unretuschierter Originalpartituren) decken das Feld zum guten Teil ab. Was Sakari Oramo im Jubiläumsjahr aus Stockholm präsentiert, ist, positiv gesprochen, ein gelungener Eklektizismus, negativ gesprochen, weder Fisch noch Fleisch. Da finden sich gravitätisch aufgeladene Eröffnungssätze der Zweiten und "Rheinischen", energisch genommene "Molto vivace"-Schlusssätze der Zweiten und Vierten und "Molto espressivo"-Adagios, die ihre Bezeichnung wirklich verdienen (vor allem im "Frühlings"-Erblühen der Ersten), so empfindsam nähert sich Oramo den fragilen Empfindungswelten Schumanns und so strukturell hellhörig balanciert er hier Haupt- und Nebenstimmen aus. Nur: Das leichtfüßig Tänzelnde, Grazile, ist des Finnen Sache offenbar nicht so recht. Schon das voluminöse, blechbläserbetonte Klangbild der Stockholmer Sinfoniker, die Oramo seit zwei Jahren leitet, steht dem entgegen. Schumann wird hier nicht in dessen Wiener "klassischen" Quellen, insbesondere Mozart, verortet, sondern zum Vorboten Wagners und Bruckners aufpoliert. Prononciert ist dies auch an der überaus gedehnten Überleitung zum letzten Satz der Vierten zu hören, so wie an den vielen fragwürdigen Ritardandi, mit denen Oramo die Moll-Eintrübungen aller vier Sinfonien beschwert. Sie stören nicht nur den Satzfluss, sie betonen auch über Gebühr den traditionell falsch verstandenen, gefühligen Romantiker. Aber, wie gesagt, auch der andere, wenn man so will moderne, stringente Schumann ist zu erleben. Nur eben nicht durchgängig und nicht als schlüssiges Konzept über vier bzw. fünf Sätze hinweg.

Christoph Braun, 08.05.2010



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