Nobody Knows

Olivia Trummer-Trio


Neuklang/SunnyMoon NCD 4044
(62 Min., 8/2009)

Sie hat etwas Eigenes. Olivia Trummer, Jahrgang 1985, Tochter eines Stuttgarter Chorleiters, singt auf ihrer dritten Disc "Nobody Knows" mit heller Stimme, die in den Höhen so glasklar wie in den mittleren Lagen wirkt. Ihre eigenwilligen Texte zeichnet stets eine verblüffende Melange aus Poetischem und Lakonischem aus. Mit ähnlich skurrilem Humor wandelt sie auch als Pianistin zwischen tradierten Wendungen und eigenen, kess gegen die Erwartungen verstoßenden Brüchen. Sie versteht sich aufs Doppelbödige, und dabei sind beide Ebenen handwerklich perfekt gearbeitet. Bodek Janke, Percussionist und Schlagzeuger, und der Kontrabassist Antonio Miguel, agieren – eng mit ihrem Spiel oder Gesang verbunden – sehr eigenständig mit vertrackten Rhythmen oder Tonfolgen. So entstehen weniger aus Widersprüchen, sondern eher aus raffinierten Verschiebungen im gemeinsamen Fluss Spannungssituationen, in die sich gelegentlich auch der Gasttrompeter Michael Schriefl mischt. Bei solcher Kühnheit versteht es sich von selbst, dass Olivia Trummers Trio in keine der gängigen Stilschubladen passt – es sei denn, man nehme den postmodernen Eklektizismus als eigenständiges Genre. Rundum schlüssig fließen in den sieben Ensemblestücken Elemente aus Jazz, Klassik, indischer, osteuropäischer und südamerikanischer Musik, Pop und der Singer-Songwriter zusammen. In drei Titeln – "Intro", "Reflection I" und "Reflection II" – ist sie zudem jeweils zweieinhalb bis drei Minuten als romantische Solistin zu hören. Nicht nur die Musiker, sondern auch der Aufnahmeleiter Philipp Heck leistete Herausragendes mit einer angenehmen räumlichen Staffelung und präziser, transparenter Mikrofonierung und Abmischung sowie einer großartigen Balance aus Intimität und Distanz.

Werner Stiefele, 15.05.2010


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Des Menschen Herz sehnt sich einfach nach melodramatischen Sujets: Was die Biografik im Jahrhundert nach Wolfgang Amadeus Mozarts Tod an süßlichen Anekdoten über seine angeblich so bitteren Wiener Jahre als verkanntes, verarmtes Genie gesponnen hat, klebt noch immer wie Zuckerwatte vor der Linse unvoreingenommener Werkbetrachtung. Der Musikforscher Christoph Wolff hat hingegen kürzlich in einem Buch untermauert, dass das Lebensgefühl des Salzburgers in der Hauptstadt wahrscheinlich viel aufstrebender war. "Vor den Pforten meines Glückes" wähnte sich Mozart, angekommen in Wien, angestellt am Kaiserhof, und - wie Wolff nachweist - bemüht, in seiner Musik einen imperialen Stil zu etablieren. Kompositorisch selbstbestimmt klingt auch die These, die Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus nun vertritt: Die drei letzten, ohne Kompositionsauftrag in nur gut zwei Monaten hintereinander weg komponierten Sinfonien sind nicht etwa das Röcheln eines Genies, das mit sterbender Hand nach dem Himmel reicht, sondern ein ehrgeiziges Projekt - ein Instrumental-Oratorium. Die Motivbezüge und enge Verwandtschaft hat schon Peter Gülke nachgewiesen, nun erklärt Harnoncourt die drei Werke zu einer in sich geschlossenen, dreiteiligen Handlung für Musik, eine freimaurerisch inspirierte Initiation. Was konkret er selbst dem Werk an melodramatischen Sujets dabei ablauscht, will er aber nicht verraten, denn "die Musik Mozarts ist Sprache und spricht für sich."