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Rodion Schtschedrin

Carmen-Suite, Das bucklige Pferdchen

Orchester des Bolschoi-Theaters, Gennadi Roschdestwenski, Algis Zhuraytis

Melodiya/Codaex MEL 1001630
(73 Min., 1967 u. 1963)

Rodion Schtschedrin (78) ist nicht nur nach wie vor der Mann der russischen Ballett-Assoluta Maya Plissezkaja (obwohl er jahrelang eine Affäre mit Maria Schell hatte), er hat für seine Gattin auch diverse Ballette komponiert. Am berühmtesten ist sicher die clevere, auf grelle Schlagwerkeffekte in einem etwas billigen Sixties-Ambiente setzende "Carmen-Suite" von 1967, für die er Bizets Partitur ("den man nicht übertreffen oder ersetzen kann") schlagkräftig und tanzgerecht bearbeitete, variierte und straffte. In der Sowjetunion dann gleich wieder als Sakrileg geschmäht, hat sich diese sehr geschickt die Singstimmen in die Instrumentalsektionen verlegende Revuefassung längst weltweit durchgesetzt. Unbekannter, aber hörenswert ist die farbenfroh rustikale, unbekümmert tonal schwelgerische Musik zum Ballett "Das bucklige Pferdchen" nach Motiven des gleichnamigen Kunstmärchens von Pjotr Jerschow. Schtschedrin war zum Zeitpunkt der Komposition noch Student am Moskauer Konservatorium, und er erinnert sich: "Während dieser Arbeit habe ich mit meinen musikalischen Händen einen überirdischen Feuervogel namens Maya Plissezkaja gefangen. Und ihr ist diese Partitur gewidmet." Das Ballett über den treuherzigen Bauer Iwan, der mit Hilfe eines buckligen Zauberpferdchens viele Wunder vollbringt und schließlich Zar wird, wurde 1960 am Bolschoi-Theater uraufgeführt und blieb bis heute ein Publikumsrenner. Während damals die humorig temperamentvolle Partitur von dem tanzaffinen Gennadi Roschdestwenski dirigiert wurde, ist der auf der vorliegenden CD für die "Carmen-Suite" zuständig, während der ebenfalls ballettbegeisterte Algis Zhuraytis im etwas basslastigen Märchenwunderland schwelgt.

Matthias Siehler, 05.06.2010



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