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Mieczysław Karłowicz, Stanisław Moniuszko, Frédéric Chopin

Sprich weiter zu mir ...

Katarzyna Dondalska, Holger Berndsen

Telos/Naxos TLS 1009
(79 Min., 8 u. 11/2007)

Das Polnische ist sicher ein sehr schönes Idiom, und der Autor dieser Zeilen liebäugelt immer wieder damit, es zu lernen, irgendwann einmal. Vorläufig jedoch bleiben ihm die klangvollen Texte der auf dieser CD versammelten Lieder von Mieczysław Karłowicz (1876-1909), Stanisław Moniuszko (1819-1872) und Frédéric Chopin noch gänzlich unverständlich, und er blättert mit zunehmender Verwunderung mehrfach durch das Beiheft, bis der Verdacht zur Gewissheit wird: Das in Deutschland ansässige Label Telos bietet zu dieser CD mit hierzulande völlig unbekannten Liedern tatsächlich nur ein einsprachiges Libretto – in Polnisch. Der Durchschnittsdeutsche versteht also kein Wort von dem, was hier engagiert vorgetragen wird, wodurch das dreisprachig auf dem Cover abgedruckte Motto des Programms, "Sprich weiter zu mir ..." empfindlich konterkariert wird, ja geradezu eine ironische Note erhält. Bleibt also nur die Konzentration aufs rein Musikalische. Und hierbei fällt zunächst ein gewisser Hang der Sängerin zum Vibrato auf: Alles, was ein wenig länger ausgehalten wird, gerät automatisch in ein gleichförmiges Trällern. Hinzu kommt vor allem in der hohen Lage eine Spitzheit des Klanges, die den Hörer auch nicht rundum glücklich zu machen in der Lage ist. Des Weiteren gerät nach der Interpretation in nächster Instanz auch noch das unvertraute musikalische Gut selbst auf den Prüfstand: Über den möglicherweise vorhandenen Wort-Ton-Bezug kann nichts ausgesagt werden, und so fokussiert sich der Blick auf die strukturelle Gestalt. Zu hören sind häufig Tanzrhythmen, überbaut durch immer gleichlange vokale Kantilenen mit oft vordergründig effektvoller Melodik. Das sich hinzugesellende Repertoire an Harmonien ist ein grundsätzlich für die frühe Romantik typisches, hier zumeist sehr einfach oder stereotyp gehaltenes. Und so stellt sich mit der Zeit der Eindruck ein, man habe es mit einer Art Salon-Repertoire der leichteren Sorte zu tun, nicht jedenfalls mit Liedern, die ihrer Art nach etwa mit denen von Schubert, Schumann oder Wolf vergleichbar wären. Das Urteil muss, weil zumindest die sprachliche Komponente nicht in die Beurteilung einbezogen werden kann, ein vorläufiges bleiben – aber momentan fällt es leider recht negativ aus.

Michael Wersin, 12.06.2010



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