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Igor Strawinski, Sergei Rachmaninow

Orchesterwerke

Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy

medici arts/Naxos 2072258
(81 Min., 1977 u. 1979)

So recht populär ist der 1899 geborene Eugene Ormandy in Europa nie geworden. Zwar drang der Ruf, den sich der gebürtige Ungar als Orchestererzieher an der Spitze seines Philadelphia Orchestra erarbeitete, auch dank diverser CDs über den Ozean, doch anders als seine Landsleute Fritz Reiner, George Szell und Georg Solti, die ebenfalls das US-Musikleben entscheidend prägten, blieb Ormandys Ansehen als Interpret merkwürdig vage. Die DVD mit Konzertmitschnitten aus den späten Siebzigerjahren ist da willkommen, um das Bild des Musikers Ormandy posthum etwas zu präzisieren: Sowohl in Strawinskis "Feuervogel"-Suite (Fassung von 1919) wie in Rachmaninows zweiter Sinfonie zeigt er sich als Kapellmeister, der – Solti und Szell gar nicht unähnlich – die orchestrale Klangkultur in einen strengen klassischen Rahmen stellt. Der "Feuervogel" etwa besitzt weiche Farben und atmosphärische Delikatesse, aber zugleich einen durchgehenden rhythmischen Puls, der tänzerische Spannkraft und Leichtigkeit sichert. Zur Musik Rachmaninows, den er unter anderem bei der Einspielung seiner Klavierkonzerte begleitete, hatte Ormandy eine noch innigere Beziehung. Die zweite Sinfonie, die er in den Dreißigerjahren ebenfalls noch zusammen mit dem Komponisten selbst erarbeiten konnte, ist bei ihm ein Stück ganz aus dem Geist Tschaikowskys: ein klassisches Werk, dessen überbordender Gefühlsreichtum durch straffe Konturen in Zaum gehalten wird und dessen Melodik sich eher in gesanglicher Schlichtheit als in ekstatischem Sentiment entfaltet.

Jörg Königsdorf, 12.06.2010



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