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Philippo Martino

Lauten-Trios

Lee Santana, Karl Kaiser, Petra Müllejans, Hille Perl

DHM/Sony Music 88697 69028-2
(67 Min., 1/2009)

Manchmal macht die Musikgeschichte gnadenlos Tabula rasa. Wenn sie nahezu alle biografischen Spuren eines Komponisten verwischt und nur weniges von seinem schöpferischen Output übriglässt. Immerhin weiß man von Philippo Martino, dass er in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelebt haben muss. Und seine nun erstmals eingespielten sechs Lauten-Trios wurden zwischen 1730 und 1733 veröffentlicht. Damit hat es sich aber auch so ziemlich mit den harten Infos über Martino. Die weiche Faktenlage hat hingegen nun Lautenist Lee Santana sondiert. In seinem Booklettext feiert er Philippo Martinos Musik mit einer poetisch bilderreichen und durchaus appetitanregenden Sprache, dass man sich schon wundert, warum sich bis auf Santanas Kollegen Lutz Kirchhof bislang keiner so richtig an dessen Fersen geheftet hat.
Die Gründe liegen jedoch schnell auf der Hand. Die kammermusikalisch besetzten Lautenkonzerte, in denen traditionell das Soloinstrument sich mit Violine oder Traversflöte unterhält, sind doch arge Leichtgewichte. Zwar geben sich die viersätzigen Werke durchweg galant und empfindsam, befinden sich melodische Helligkeit und Leichtigkeit in einem ständigen Wechsel mit pastoraler Anmut und erhabenem Ernst. Aber die Gesamtfassade hält auf Dauer nicht das, was Santana wortreich versprochen hat. Mit seinem Alte-Musik-Quartett "The Age of Passions" setzt er dagegen auf erfreulich unprätentiöse und unmanieristische Spielkultur.

Guido Fischer, 26.06.2010



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