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Giacomo Carissimi

Oratorien

Les Voix Baroques

Atma/Musikwelt ACD 22622
(67 Min., 1/2009))

Es gibt CDs, die schon nach wenigen Hörsekunden Grund zu der Hoffnung geben, sie seien sehr, sehr gut gelungen: eine Freude für den Rezensenten, eine relativ seltene leider. Bei der vorliegenden Einspielung einiger barocker Oratorien aus der Feder Giacomo Carissimis verrät schon die kurze instrumentale Einleitung zur alttestamentlichen Historie "Jona", dass hier wahre Könner am Werk sind. Nicht oft erlebt man so vollkommene klangliche, intonatorische und artikulatorische Kongruenz bei einem kleinen Streicherensemble, dazu ein improvisiertes Continuospiel (hier das des musikalischen Leiters Alexander Weimann), das sich u. a. stimmführungstechnisch auf so intelligente Weise in den komponierten Satz einfügt. Die ersten Sänger treten dann hinzu, zunächst ein "Historicus" (Suzie LeBlanc), dann der liebe Gott persönlich in Basslage (Sumner Thompson), wenig später ein kleines Ensemble, das die variabel besetzte Partie des die Erzählung vorantreibenden "Historicus" weiterführt. Wiederum nach einer Weile erscheint dann Jonas (Colin Balzer), der die durch ihn in Bedrängnis geratene Besatzung eines Schiffes bittet, ihn über Bord zu werfen – und auch hier dominieren wieder die Präzision, das perfekt austarierte Miteinander auch auf rhythmischer Ebene, vor allem aber die Sorgfalt in der möglichst expressiven Umsetzung des lateinischen Textes. Besser kann man die Werke des veritablen Erfinders des Oratoriums (auf "Jona" folgen hier noch "Jephta", "Ezechia" und "Job") wohl kaum auf einen Tonträger bannen. Die Stringenz der Darbietung lässt erahnen, welche Kraft diese oft unterschätzten Stücke zum Zwecke der plastischen Vermittlung biblischer Inhalte einst zu entfalten vermochten.

Michael Wersin, 03.07.2010



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