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You Had Me At Goodbye

Espen Eriksen-Trio

Rune Grammofon/Cargo 00043206
(37 Min.)

Wie deutlich und unbeirrt sich das Label Rune Grammofon für die Verbreitung des elektronischen Avantgardejazz einsetzt, kann man an dem Titel der beiden Bücher ablesen, die die Norweger zum fünften und zehnten Firmengeburtstag herausbrachten: "Money will ruin everything". Dementsprechend überrascht dürfte man sein, wenn man die CD des Trios um den Pianisten Espen Eriksen ins Abspielgerät einlegt.
Denn mit dem, was Eriksen, Bassist Lars Tormod Jenset und Schlagzeuger Andreas Bye hier abliefern, lässt sich durchaus ganz gut Geld machen – zumindest wohl mehr als mit Kabelbruchknirspeln oder kontrollierten Festplattenabstürzen. Der komplett ohne elektronische Verfremdungen auskommende Piano-Trio-Jazz der drei Norweger eröffnet zwar definitiv keine neuen Horizonte, füllt aber seine eigene Welt nach bestem Wissen und Gewissen recht ordentlich aus.
Man könnte zwar bekritteln, dass Eriksens Kompositionen, einfache volksliedhafte Themen mit Pop-Appeal, deutlich zu wenig Reibungspunkte besitzen, dennoch gibt es auf "You Had Me At Goodbye" mit "On the Jar" eigentlich nur ein Stück, das es mit der Eingängigkeit übertreibt und sich für den Einsatz in Aufzügen geradezu aufdrängt. Vielleicht ist das Problem hier ja auch die konventionelle Easy-Listening-Rockpop-Begleitung von Bass und Schlagzeug.
Denn das muss man den Musikern hinter dem eher unauffällig bleibenden Eriksen lassen: Auf dem Rest der Platte agieren Bassmann Jenset mit seinen hochmelodiösen Soli und Schlagwerker Bye mit seinem dezidiert perkussionistischen Ansatz so, dass man doch ganz gerne zuhört, wenn Geld nicht alles ruiniert.

Josef Engels, 17.07.2010



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