In dieser "Italienerin in Algier" steckt Sprengstoff. Und zwar politischer! Denn inzwischen weiß man ja, dass gewisse religiöse Bevölkerungsgruppen überhaupt keinen Spaß verstehen und erst recht nicht über sich lachen können. Vor zwölf Jahren war das anders. Da wagte die Pariser Oper noch, einen Hamam mit fettwanstigen Muselmanen vorzuführen. Und auch der oberste Boss Algeriens besaß die Züge eines leicht depperten und schwer lüsternen Herrschers, die nicht nur typisch für arabische Länder sind. Rückblickend traute sich Regisseur Andrei Şerban schon was – als er an der Pariser Oper Rossinis schnell entzündbares Dramma giocoso auf die Bretter schickte. Und dies eben nicht politisch korrekt und radikal sittenstreng. Während in diesem Staate Mustafas die Frauen sich natürlich kopftuchbedeckt zeigen, kann es schon mal passieren, dass ein wahrhaft monströser, blanker Plastikbusen durch die Lüfte schwebt.
Zur Fraktion des provozierenden Regietheaters gehört Andrei Şerban deshalb noch lange nicht. Vielmehr ist seine "Italienerin" nicht mehr und nicht weniger eine einzige, quietschfidele und kunterbunte Farce. Und dafür hat er sich ein Sängerteam zusammengestellt, das nicht nur Rossinis Pointen treffsicher gestalten kann. Angeführt von der Rossini-Lerche Jennifer Larmore als selbstbewusste Drahtzieherin in diesem orientalischen Liebestollhaus, ist das auch darstellerisch allerfeinste Buffo-Kost. Schade nur, dass Dirigent Bruno Campanella eher einen gutmütigen bis altväterlichen Zugriff auf Rossini wählte.

Guido Fischer, 24.07.2010



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