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Samuel Scheidt

Sacrae Cantiones

Vox Luminis, Lionel Meunier

Ricercar/Note 1 RIC301
(61 Min., 6-7/2009)

Sie werden die "drei großen Sch" genannt: Heinrich Schütz, Johann Hermann Schein und Samuel Scheidt prägten die frühbarocke protestantische Kirchenmusik in Deutschland und spielten eine zentrale Rolle bei der Einführung des seinerzeit neu in Italien aufgekommenen konzertanten Stils in die deutsche Musiklandschaft. Einigermaßen bekannt ist heute allerdings nur noch die Musik des ersten "Sch" – die anderen beiden sind vergessen. Zu Unrecht, wie diese fantastische CD mit "Sacrae Cantiones" des knapp 100 Jahre vor Georg Friedrich Händel in Halle an der Saale geborenen Samuel Scheidt beweist: Erstklassig verstand sich dieser kreative Komponist auf die noch junge Kunst des markanten Umsetzens von deutschen geistlichen Texten in Musik. Eine Vielzahl rhetorisch-musikalischer Mittel auf harmonischer, melodischer und satztechnischer Ebene kommen zur Anwendung und werden eingebunden in einen klangprächtigen, mitreißend konzertanten Satz – das Wort kommt ebenso zu seinem Recht wie die Musik als solche. Vermittelt wird diese brillante Tonsetzkunst durch ein schlichtweg kongeniales Ensemble: Die Sänger und Instrumentalisten von "Vox Luminis" kongruieren wie sonst kaum eine solche Gruppe. Intonation scheint nie ein Problem, gemeinsames Deklamieren ebenso wenig. Begeisternd auch die schiere Schönheit der Stimmen in allen Registern. Alles zusammen bedingt jenes beglückende "Einrasten" auf vertikaler Ebene, das Alte Musik zu einem mitreißenden Erlebnis machen kann, wenn es funktioniert – und das ist in dieser Vollkommenheit nicht allzu häufig.

Michael Wersin, 24.07.2010



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