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Igor Strawinski, Silvestre Revueltas

Le sacre du printemps, La noche de los Mayas

Simón Bolívar Orchester Venezuela, Gustavo Dudamel

DG/Universal 477 8775
(64 Min., 2/2010)

Auf den ersten Blick scheint kaum ein Werk der klassischen Musik Gustavo Dudamel und seiner Banda sinfonica so entgegenzukommen wie "Sacre": Strawinskis Glorifikation des Rhythmus gibt den jungen Venezolanern jedenfalls Gelegenheit, ihr Temperament mal so richtig auszutoben. Im Mitschnitt aus Caracas geht es vielleicht nicht so tänzerisch und kultiviert zu wie in den klassischen Monteux- und Dorati-Aufnahmen, dafür macht die Sache allen aber hörbar Spaß: Die rhythmischen Stöße beispielsweise in den "Augures printaniers" strotzen nur so vor Kraft, der "Danse de la terre" walzt mit Brachialgewalt alle Bedenken nieder, ob man diesen Teil nicht auch leichtfüßiger, elastischer und transparenter spielen könnte. Das geht bei Dudamels Truppe allerdings schon deshalb nicht, weil die Besetzung das Normalmaß eines Sinfonieorchesters sprengt – bei den Bolívars sitzen gerne an die 140 Musiker auf dem Podium. Das führt leider oft dazu, dass solistisch geführte Bläser akustisch zu schwach bleiben, obwohl Dudamel um größtmögliche Durchhörbarkeit bemüht ist. Schade, denn schon das suggestiv gespielte Fagottsolo zu Beginn zeigt, dass sich der venezolanische Nachwuchs nicht zu verstecken braucht. Klar, dass dieser Dschungel-"Sacre" seine Schwächen am ehesten zu Beginn des zweiten Teils hat, wo das langsame Kreisen nur begrenzte Sogkraft entwickelt. Das Gleiche gilt für Silvestre Revueltas' 1939 entstandene Filmmusik "La noche de los Mayas": Die knalligen Farben und der direkte Zugriff Dudamels peppen die schnelleren, lebendigeren Teile der Suite auf, die "Noche de Yucatán" wird so ausgekostet, dass die Grenze zum Edelkitsch gefährlich nahe rückt.

Jörg Königsdorf, 31.07.2010



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