Responsive image
Ferdinand Hiller

Klavierkonzerte Nr. 1-3

Howard Shelley, Tasmanian Symphony Orchestra

Hyperion/Codaex CDA67655
(76 Min., 5/2007)

Überfällig, dass sich die Hyperion-Reihe "Das romantische Klavierkonzert" endlich den 1811 geborenen Ferdinand Hiller vorknöpft. Denn der Freund Mendelssohns, Chopins und Liszts ist ein Romantiker reinsten Wassers: Im Paris der 1830er Jahre, dem Hotspot der Pianistenszene, reüssierte der Frankfurter nicht nur als Tastenvirtuose, sondern konnte auch genau die Erfolgsmodelle studieren, nach denen Stars wie Moscheles und Kalkbrenner ihre Klavierkonzerte schrieben. Davon zeugt vor allem das f-Moll-Klavierkonzert des kaum 20-Jährigen, das mit viel branchenüblichem Diskantgeglitzer effektvoll den romantischen Stimmungskatalog aufblättert. Motivisch prägnanter geht es dagegen im 1843 entstandenen fis-Moll-Konzert zu. Der Kopfsatz des relativ kurzen Werks gibt gewissermaßen eine robustere Version des schwärmerischen Tonfalls der Mendelssohn-Konzerte. Schwach ist hier nur das Finale mit seinem schnell ermüdenden Hauptthema, auch wenn Howard Shelley mit leichtfingrigem Spiel und silbernem Ton dem Stück mehr Eleganz abringt, als es Michael Ponti in seiner stählernen Ersteinspielung des Stücks konnte. War Hiller mit diesen beiden Werken noch ganz auf der Höhe seiner Zeit, muss das 1874 uraufgeführte, groß dimensionierte "Concerto espressivo" des 63-Jährigen schon auf die Zeitgenossen ziemlich gestrig gewirkt haben. Im Orchestersatz blitzen manchmal schumanneske Ideen auf, ein paar melodische Wendungen klingen nach Mendelssohn oder gelegentlich nach frühem Brahms, doch reichen diese Impulse nicht aus, um einen dramatischen Entwicklungsprozess einzuleiten und die Musik wirklich von der Stelle zu bringen. So komponiert einer, der sich nur noch nach seiner Jugend zurücksehnt.

Jörg Königsdorf, 31.07.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Souvenir d’Italie: Wer bei russischer Kammermusik harmonisches Räucherwerk und schweren Samt erwartet und sich vorbereitend den Hemdkragen öffnen will, wird überrascht sein. Michail Glinka, der „Vater der russischen Musik“, war ein reisefreudiger Mann. Nachdem er seine stilbildende Oper „Ein Leben für den Zaren“ in St. Petersburg abgeliefert hatte, und weil es dort politisch so ungemütlich für Freigeister wie ihn wurde, begab er sich 1830 nach Italien und tauchte tief in die […] mehr »


Top