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Score

The RAah Project

Summer Dawn/Groove Attack SD001CD
(65 Min.)

Sollten sich Musikarchäologen irgendwann einmal fragen, was Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts als hip galt, müssten sie eigentlich nur diese CD ausbuddeln und auflegen. Sie würden zunächst ein relativ unaufregendes Lied hören, das man ohne Probleme als Beschallung für diese – eine kurze Zeit lang sehr beliebten – Lounges identifizieren könnte. Und danach ein wenig staunen.
Denn alles, worüber man in den alten Chroniken aus den 1990er Jahren noch fein säuberlich getrennt berichtete, ist hier auf wundersame Weise zusammengerührt worden: Das Swing-Revival mit walkenden Kontrabässen, kühlen Big-Band-Bläsern und einem lüstern-heiseren Schwerenöter-Sänger (hier heißt er Bobby Valentine und singt die Nummer "Trick of Light"), dieses Ding namens Drum & Bass, der Hip-Hop natürlich sowie der Einsatz von Samples und elektronischer Klangmanipulation.
Für das "RAah Project" haben die beiden Produzenten Tamil Rogeon und Ryan Ritchie (Ersterer spielt übrigens vorzüglich Jazzgeige) nicht weniger als 45 Musiker engagiert, um ihre retro-futuristischen Soundvorstellungen Gestalt werden zu lassen. Man fühlt sich an alte Film-Soundtracks erinnert, an den Elektro-Sonderling Matthew Herbert, aber auch an die seltsame Modeerscheinung der Nullerjahre, klassische Orchesterwerke von DJs remixen zu lassen. Hier aber fügt sich das alles auf geradezu logische Weise zusammen. Eine erstaunliche Epochenquersummenmusik ist das Ergebnis, die nur in einem Punkt die Archäologen auf eine falsche Fährte schicken dürfte: Sie stammt aus Australien.

Josef Engels, 07.08.2010



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