Über Georg Friedrich Händels Glaubenshaltung ist ebenso viel spekuliert worden wie über seine politische Ausrichtung – in beiden Fällen ohne durchschlagendes Ergebnis: Die persönlichen Ansichten dieses Komponisten, der uns durch seine Tonsprache so unmittelbar vertraut zu sein scheint, werden uns wohl auf immer verborgen bleiben. Die wenigen Äußerungen, die er diesbezüglich gemacht haben soll, sind kaum gesichert und auch inhaltlich letztendlich wenig aussagekräftig. Allerdings lässt sich kaum von der Hand weisen, dass er mit vielen seiner Werke künstlerisch durchaus Stellung bezogen haben könnte – indes ist zu vermuten, dass dies nicht zuletzt zur Bewahrung seines eigenen wirtschaftlichen Wohlergehens geschah. Mit seinem Oratorium "Judas Maccabaeus" sicherte er sich im Jahre 1747 auch dadurch einen durchschlagenden Erfolg, dass er den Patriotismus der Londoner Bevölkerung direkt ansprach: Ein Jahr zuvor nämlich hatte der Herzog von Cumberland in Schottland den Aufstand der Jakobiten blutig beendet und damit die Hoffnungen der Stuart-Familie auf eine Restituierung ihrer einstigen Königswürde zerschlagen. "Judas Maccabaeus" gehört in die Reihe der "Sieges-Oratorien", die diesen Erfolg auf der Grundlage eines entsprechend zu deutenden biblischen Stoffes feiern.
Rolf Beck hat sich dieses prachtvollen Oratoriums mit einem gut bis hervorragend besetzten Ensemble angenommen: Nuria Rial zeigt sich als "Israelitish woman" auf der Grundlage ihrer schön timbrierten, gut geführten Stimme interpretatorisch deutlich engagierter als in anderen Aufnahmen der letzten Zeit – Rolf Beck scheint ihrer Neigung zu allzu großer Glätte in der Darbietung erfolgreich entgegengewirkt und sie zu einer Höchstleistung inspiriert zu haben. Mit Sergio Foresti (Simon) kam ein Bassist zum Einsatz, der profunde Stimmkraft mit angenehm schlanker Stimmführung zu verbinden versteht. Und der Tenor Lothar Odinius in der Titelrolle bietet gerade genug stimmliches Metall, um die dramatischen Aspekte seiner Partie umzusetzen – die größeren Reserven hat er freilich für lyrische Passagen parat. Untadelig agieren Chor und Orchester in dieser insgesamt sehr stringent und gebündelt daherkommenden "Judas Maccabaeus"-Version, die den nicht eben umfangreichen Aufnahmenkatalog dieses sehr erfolgreichen Werks maßgeblich bereichert. Eine insgesamt mitreißende Interpretation, die man als Händelfan nicht versäumen sollte.

Michael Wersin, 14.08.2010



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