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Wilhelm Taubert, Jacob Rosenhain

Klavierkonzerte

Howard Shelley, Tasmanian Symphony Orchestra

Hyperion/Codaex CDA 67765
(71 Min., 4/2009)

Mit seinem ersten Klavierkonzert zeigte sich der 22-jährige Wilhelm Taubert 1833 ganz up to date: Unverkennbares Vorbild für das Werk des jungen Berliners war das erst kurz zuvor entstandene erste Klavierkonzert Mendelssohns, das in die europäische Komponistenszene einen bis dahin unerhörten Ton von Frische und Empfindsamkeit gebracht hatte. Den mitreißenden Überschwang von Mendelssohns Stück erreicht Tauberts Stück zwar nicht, besitzt aber eine ganze Menge ausdrucksvoller Themen, die ihm einen überdurchschnittlichen Unterhaltungswert sichern und auch durch das zeittypisch mäandernde Passagenwerk nicht überwuchert werden. Romantische Innigkeit und tänzerischer Elan sind auch im 1874 geschriebenen zweiten Klavierkonzert des damals schon über 60-Jährigen noch erstaunlich unverblasst vorhanden – stimmungsvoll (vor allem im einleitenden Adagio, das wie ein orchestriertes "Lied ohne Worte" klingt) und farbig orchestriert macht schon dieses Stück allein die 51. Folge von Hyperions "The Romantic Piano Concerto" zu einer der interessantesten der ganzen Serie. Ein schöner Fund ist auch das d-Moll-Konzert des völlig vergessenen, im gleichen Jahr wie Wagner und Verdi geborenen Jacob Rosenhain, das ebenfalls deutlich den Einfluss Mendelssohns spüren lässt: kein revolutionäres Stück Musik, aber eines, das die Anforderungen des Vormärz-Publikums an Virtuosität und Sentiment auf eingängige, elegante Weise bedient. Das tut auch Klavier-Dandy Howard Shelley mit seinem allzeit geschmackvollen, leichtfingrigen Klavierspiel, das sich hier genauso bewährt wie in seinen Einspielungen der Konzerte von Moscheles, Herz und Kalkbrenner.

Jörg Königsdorf, 21.08.2010



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