Responsive image

Double Portrait

Bill Charlap, Renee Rosnes

Blue Note/EMI 627 560-2
(49 Min., 12/2009)

Das letzte Mal, dass ein Pianoduo für popkulturelle Aufmerksamkeit sorgte, war 1989. Allerdings sorgte der Film "The Fabulous Baker Boys" eher für eine Renaissance von sich auf Tasteninstrumenten räkelnden Sängerinnen als für einen Boom von Klavierduetten. Was offen gestanden nicht weiter schlimm ist. Schließlich hat dieses seltsame Format etwas von Zirkusnummer oder (wie unlängst im Falle von Lang Lang und Herbie Hancock) Marketing-Gag. Aus verschiedenen Gründen darf man jetzt allerdings bei Bill Charlap und Renee Rosnes mal ein Auge zudrücken und die Ohren weit aufsperren. Sie sind beide derart erfahrene und sensible Begleiter, dass sie dem anderen niemals die Butter vom Brot nehmen würden. Und sie sind diese Duosituation gewohnt: In ihrem Wohnzimmer stehen zwei Flügel. Was bei Eheleuten, die beide eine beeindruckende Jazzpiano-Karriere vorzuweisen haben, nicht weiter verwunderlich ist.
Es ist daher pure Ironie, dass Charlap und Rosnes ihre Duett-Platte mit "Never Will I Marry" ausklingen lassen. Die beiden sind an den Tasten ein perfektes Paar, was die perlende Virtuosität und die musikalischen Vorlieben angeht. Mit Lyle Mays' "Chorinho" und A. C. Jobims "Double Rainbow" zeigen sie ihren Spaß an kultivierter Latin-Rasanz, mit Wayne Shorters "Ana Maria" und Joe Hendersons "Inner Urge" ihre Aufgeschlossenheit für Moderneres, mit "My Man's Gone Now" und "Dancing in the Dark" ihre wohlbekannte Mainstream-Kompetenz. Und das Gute ist: Bevor die Aufnahme – das ist nun mal die Natur der Pianoduo-Sache – aufgrund der klanglichen Gleichförmigkeit zu ermüdend wird, kommt mit "Little Glory" der Beweis, dass die beiden am Doppelflügel auch Balladen können. Es muss Liebe sein.

Josef Engels, 28.08.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top