Responsive image
Joseph Gabriel Rheinberger

Ave Maria – Musica Sacra X

Lydia Teuscher, Christine Müller, Annette Markert, Götz Payer, Kay Johannsen

Carus/Note 1 CAR83431
(75 Min., 9-10/2009)

Rheinberger und kein Chor – im ersten Moment vielleicht eine Überraschung. Was man von dem 1839 in Liechtenstein geborenen und den weitaus größten Teil seines Lebens in München beheimateten Komponisten kennt, sind doch vor allem seine geistlichen Chorwerke, besonders der berühmte doppelchörige "Cantus Missae". Aber es gibt eben auch eine Reihe solistisch besetzter geistlicher Gesänge in seinem Œuvre, begleitet von der Orgel oder auch mal vom Klavier. Solche Solonummern und Duette sind auf dieser CD versammelt, und sie sind, mehr noch als die sehr niveauvolle Chormusik Rheinbergers, Zeugnisse eines handwerklich brillanten und in der Wirkung sehr effektiven Zuckerguss-Stils. Dessen Kennzeichen sind eine expressive Melodik über ebenso ausdrucksstarker Harmonik sowie eine prägnante, aber in keinem Moment etwa die Sphäre des makellos Schönen verlassende Umsetzung des Textes. Unproblematische liturgische Gebrauchsmusik, die das Herz erwärmt und im passenden Moment auch mal die eine oder andere Träne in Bewegung zu versetzen mag – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Das kompetente Interpretenteam bringt diese zauberhaften Nummern sehr überzeugend zum Erklingen: Schöne Stimmen paaren sich mit warmen Orgelklängen oder zartem Klavierspiel. Das Vibrato der Sängerinnen ist für die Zeit, aus der die Musik stammt, sicher eher ein Gemäßigtes. Einziges störendes Element sind gelegentliche Intonationstrübungen, beispielsweise einige etwas zu hohe Töne in den "Sechs zweistimmigen Hymnen" op. 118 – die liegen allerdings in einem durchaus tolerablen Bereich.

Michael Wersin, 04.09.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top