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Igor Strawinski, Tōru Takemitsu

Svadebka, Symphony Of Psalms, Torso

Niederländisches Tanztheater, Jiří Kylián

Arthaus/Naxos 102 115
(68 Min., 1983/1984)

Man soll sich durch das doch sehr grieselige Bild und den dumpfen Ton nicht abschrecken lassen. Auch über die technischen Unzulänglichkeiten hinweg glänzen hier drei makellose choreografische Edelsteine aus Jiří Kyliáns früher und vielleicht bester, auf jeden Fall ungebrochenster Schaffensperiode. Er war gerade Chef des Nederlands Dans Theater geworden, das sich unter seiner Leitung zu einer weltweit gefragten Kompanie entwickelte. Und besonders die beiden Strawinski-Stücke "Les Noces" – die Hochzeit (hier tschechisch "Svadebka" genannt) von 1982 und die vier Jahre ältere Psalmensinfonie gehören zur wunderbaren Werkgruppe von Kyliáns folkloristischen Balletten. In beiden überwältigen immer noch die Energie der Form und die erstaunliche Erfindungskraft mit ihren angewinkelten und gebeugten Gliedern. Schnell und ohne Unterlass bewegen sich hier die jungen, tanzhungrigen Protagonisten. In einer stilisierten Scheune wird ein Hochzeitsritual von der noch zaudernden Braut bis zum Öffnen der ehelichen Kammer zelebriert und wie ein Gottesdienst getanzt. Die abstraktere Chorsinfonie konzentriert sich mehr auf Einzelpaare, hat etwas verklärt Schwebendes und doch Erdverhaftetes, wenn am Ende zum Laudate alle hinter der sich hebenden Teppichwand im Dunkeln verschwinden. Die beiden Stücke wirken noch so frisch wie beim ersten Sehen, und auch der viertelstündige Pas de deux "Torso" von 1985 zu Brabbel- und Streichermusik von Tōru Takemitsu hat die Jahre gut überstanden. Das grüblerisch-spröde, erst langsame, dann sich beschleunigende Duo über ein heimatloses Paar zeigt den Exilanten Kylián bereits als Skeptiker, der noch viele dunkel grundierte Stücke folgen lassen wird.

Matthias Siehler, 04.09.2010



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