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Hippocampus Valley

Oliver Tabeling, Andy Scherrer

Foxtones/MVH FM0910
(52 Min., 12/2009)

Von der Cool-Legende Lee Konitz stammt der Rat, bei der Improvisation über Jazzstandards immer danach zu trachten, die unerhörte Melodie zu finden. Und zwar die, die mit gleicher Berechtigung wie das Original bestehen darf. Klingt einfach. Ist aber unendlich schwer. Dem 1971 geborenen Pianisten Oliver Tabeling und seinem 25 Jahre älteren Duo-Partner, dem Saxofonisten Andy Scherrer, gelingt dieses Kunststück auf "Hippocampus Valley" einige Male so gut, dass die Klassiker gleich auch einen neuen Namen verpasst bekommen. "Chaser, No Straight? NO!" etwa lebt nach wie vor von der Monk'schen Asymmetrie, erhält aber einen zusätzlichen Blues-Drive, "Caspar by Starlight" und vor allem "Green in Blue" sind gelungene, runde, innige – ja, wie soll man's nennen? – Rekompositionen der Originale.
Tabeling und Scherrer kann man als die Schweizer Antwort auf Michael Wollny und Heinz Sauer bezeichnen. Sie mögen weniger radikal als die beiden Deutschen sein, dafür etwas süffiger und verständlicher. Worunter aber keinesfalls die kommunikative Qualität der beiden auf einer Wellenlänge agierenden Kammerjazzer leidet. Viele schöne unerhörte Melodien aus dem Spannungsfeld zwischen Great American Songbook, Klassik und milden Freiheitsbestrebungen sind das Ergebnis.

Josef Engels, 04.09.2010



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