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Robert Schumann

Sonaten für Klavier und Violine u.a.

Andreas Staier, Daniel Sepec

harmonia mundi HMC 902048
(78 Min., 5/2009)

Sepec klammert die dritte Schumannsonate aus, die hervorging aus der "FAE"-Sonate ("Frei, aber einsam"), von Schumann, Brahms und Albert Dietrich zum Willkommen des Geigers Joseph Joachim komponiert. Das ist schade, weil die ersten zwei Schumannsonaten so gut gelangen. Und weil die "Füller" nicht sonderlich befriedigen. Es beginnt mit der Chaconne aus Johann Sebastian Bachs zweiter Partita für Violine solo – weil Schumann eine Klavierstimme hinzukomponiert hat. Sepec spielt seinen Part eindrucksvoll, aber da Schumanns Klavierstimme nicht mehr macht, als diskret zu harmonisieren, ist das einfach ein Stück Bach auf einer Schumann-CD. Nun, wenn man weiß, wie sehr dieser Bach liebte, kann das so stehen bleiben. Aber Sepec erlaubt seinem Begleiter Staier auch ein Solo, und dessen hätte es wahrlich nicht bedurft. Es handelt sich um die letzte Klavierkomposition Schumanns, die noch mit einer Opuszahl bedacht wurde: 133, die "Gesänge der Frühe". Komponiert ein Jahr vor Ausbruch des Wahns, spürt Schumann zumindest im ersten Stück die maßlose Einsamkeit voraus, die ihn im Asyl von Endenich über zwei Jahre lang befallen wird. Davon merkt man in Staiers Interpretation überhaupt nichts. Er spielt das gerade so herunter, als hätte es keinen Bezug zu Schumanns Biografie. Wenn ein Pianist nicht ohnehin säße, könnte man sagen: Setzen, vier bis fünf.
Sepec hat ein anderes Gespür für Schumann. Er deliriert in den Aufschwüngen und nimmt zurück bis zum Verstummen, wenn der Komponist sich seiner selbst nicht mehr sicher ist. Eben deswegen ist es schade, dass die ehemalige FAE-Sonate fehlt. Nahezu ohne Vibrato gestaltet der Geiger durch Feinheiten des Bogenstrichs eine durch und durch romantische Atmosphäre – er tut genau das, was seinem Pianisten bei den "Gesängen der Frühe" durch die Lappen ging: Er bewegt. Und erzählt die Geschichte des Autodidakten Robert Schumann, der vielleicht der romantischste aller Komponisten wurde. Auf jeden Fall einer der fantasievollsten. Inspiriert von dem wunderbaren Geigenspiel, findet auch Staier hier mehr den Schumannton. Ach, hätten sie die Bach-Chaconne und die "Gesänge der Frühe" doch einfach weggelassen – und stattdessen die dritte Schumannsonate aufgenommen. Die Scheibe hätte problemlos "CD des Monats" gemacht. Man höre nur den langsamen Satz der zweiten Sonate, und man ist verloren in der Welt dieses einsamen großen Komponisten ...

Thomas Rübenacker, 11.09.2010



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