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Backatown

Trombone Shorty

Verve/Universal 274 7947
(43 Min.)

Es ist schön, dass New Orleans jetzt auch endlich wieder musikalisch in die Schlagzeilen gerät. Aus verschiedenen Gründen verbietet es sich natürlich, von einer Flut neuer Künstler zu sprechen. Fakt ist allerdings: Nach Trompeter Christian Scott sorgt nun ein weiterer Jungspund aus der Crescent City für internationales Aufsehen. Troy Andrews, der unweit des Congo Square aufwuchs, hatte seinen Spitznamen Trombone Shorty weg, als er im zarten Alter von vier Jahren mit einer ihn überragenden Posaune bei einer Straßenparade mitmachte. Und diese prägenden Marching-Band-Erfahrungen hört man dem erwachsenen Trombone Shorty an: Die CD "Backatown" lebt von diesem speziellen New-Orleans-Beat, der seinen Weg vom Jazz über den Funk zum Hip-Hop ging. Kein Wunder, dass die knallig-kurzen Stücke auf der Einspielung von eben dieser Mischung bestimmt sind.
Erstaunlich allerdings, mit wie viel Chuzpe der hier auch als Trompeter und Sänger reüssierende Posaunen-Spaßmacher verzerrte E-Gitarren und Balkan-Einflüsse in seinen Gegenwarts-Gumbo einfließen lässt. Im Gegensatz zu seinem ebenfalls mit dem härteren Rock liebäugelnden Altersgenossen Christian Scott bleibt Trombone Shorty dabei ein Unterhaltungskünstler durch und durch. Sei’s drum: Mit seinen munteren Crossover-Kunststückchen und einem Lenny Kravitz als Gaststar arbeitet Shorty unterbewusst an einem Neunzigerjahre-Revival (erinnert sich eigentlich noch jemand an die Funk-Posaunen-Formation Freak Power?). Was – angesichts wachsender Achtzigerjahre-Gräuel in Kunst, Mode und Umgang – durchaus unterstützenswert erscheint.

Josef Engels, 11.09.2010



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