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Johann Sebastian Bach

Messe h-Moll

Dunedin Consort, Dunedin Players, John Butt

Linn Records/Codaex CKD 354
(102 Min., 9/2009)

Nach der "Matthäuspassion" legen John Butt und sein Dunedin Consort mit der h-Moll-Messe nun ein zweites großes geistliches Vokalwerk von J. S. Bach in Minimalbesetzung vor – wobei Butt anders als in der Matthäuspassion hier an einigen ausgewählten Stellen einen Ripienisten pro Vokalpart einsetzt, was er im Beiheft auch gut begründet. Butt folgt mit dieser Besetzungstechnik Andrew Parrott, der bei seiner 1985er Aufnahme der Messe ganz ähnlich verfuhr. Butts Einspielung unterscheidet sich in dieser Hinsicht von der ausnahmslos solistischen, die Sigiswald Kuijken kürzlich vorlegte. Erstmals erklingt übrigens mit dieser Aufnahme die 2006 erschienene Partiturausgabe des Werks von Joshua Rifkin auf CD – ein Aspekt, der eher für Spezialisten eine Rolle spielt, denn die meisten Unterschiede zur gängigen Ausgabe der "Neuen Bach-Edition" sind nicht ohne Weiteres wahrnehmbar.
Interpretatorisch gibt es sehr viel Schönes in dieser Neueinspielung: Ähnlich wie Parrott gelingt Butt etwa eine wirkungsvoll dramatische Ausgestaltung des "Gloria"-Schlusses, die fetzige "Quoniam"-Arie mit dem Hornsolo eingeschlossen. Im letzten Satz ("Cum sancto spiritu") bestechen dann die Kongruenz im Sechzehntel-Bereich und die schier umwerfende Kraftfülle, die sich am Ende sogar noch als steigerbar erweist. Hohe Stringenz bei großer dynamischer Flexibilität entwickelt das im Grundtempo gut getroffene "Sanctus", frisch und in der Vermittlung sehr direkt ansprechend kommt anschließend das "Hosanna" daher.
Auf instrumentaler Ebene überzeugt insgesamt die gute Durchhörbarkeit der Mittelstimmen, vor allem der Bratsche. Diese geht allerdings gelegentlich, so etwa besonders störend im "Qui tollis", auf Kosten der Präsenz der Traversflöten. Der Vokalsatz leidet unter einer gewissen Schwäche im Diskantbereich: Wer Emma Kirkby in Andrew Parrotts immer noch unbedingt empfehlenswerter Einspielung im Ohr hat, wird bei Butt manches an Glanz und Prägnanz vermissen. Eine über weite Strecken hörenswerte, ja ohne Zweifel eine gute Aufnahme also – aber keine restlos zufriedenstellende.

Michael Wersin, 18.09.2010



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