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Chamber Music Society

Esperanza Spalding

Heads Up/Inakustik 08131810
(56 Min., 10/2009)

Esperanza Spalding ist die Jazzmusikerin der Stunde: Pat Metheny ist von der singenden Bassistin begeistert, Prince schwärmt von ihr, US-Präsident Barack Obama nahm sie als kreatives Aushängeschild Amerikas mit zur Friedensnobelpreis-Verleihung nach Oslo. Eigentlich könnte es sich die 25-Jährige nun bequem machen mit dem, was ihr die Natur an Instrumentenbeherrschung, Aussehen und charmanten stimmlichen Fähigkeiten mitgegeben hat. Selbstbewusst entscheidet sie sich allerdings für einen Weg außerhalb der ausgetrampelten Pfade der Jazztradition.
"Chamber Music Society" ist Ausweis von Spaldings großem künstlerischen Potenzial. Man erlebt die Bassistin als Konzertmeisterin eines Kammerensembles, das sich sehr stark dem Tango Nuevo verschrieben hat, als nonverbale Sirenensängerin, als empfindsame Lyrikerin sowie – im Falle von "Wild is the Wind", wo sie sich in eine keifende Wetterhexe verwandelt – als unorthodoxe Standard-Interpretin. Das Album rührt zu Tränen (vor allem "Apple Blossom", das todtraurige Duett mit Milton Nascimento), geht auf die Nerven, erzeugt respektvolles Kopfnicken (etwa, wenn Spalding bei zwei Stücken der Sanges-Konkurrentin Gretchen Parlato das Mikrofon überlässt) – kurz: Es wird nie langweilig. Man kann das als Sprunghaftigkeit bezeichnen. Oder als Hinweis darauf, dass aus Esperanza Spalding mal etwas ganz Großes wird.

Josef Engels, 18.09.2010



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