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Keep Some Secrets Within

Cécile Verny-Quartet

Minor Music/Inakustik 042801139
(59 Min., 3/2010)

Was kommt dabei heraus, wenn einer an der Elfenbeinküste geboren wird, in Frankreich aufwächst und sich im Schwarzwald den Lebensmittelpunkt sucht? Ein Glücksfall für den europäischen Jazz. Denn das, was die Sängerin Cécile Verny seit einigen Jahren mit ihrem Quartett (aktuelle Besetzung: Andreas Erchinger am Klavier, Bernd Heitzler am Bass und Lars Binder am Schlagwerk) macht, steht ziemlich einzigartig da. Und da tut es keinen Abbruch, dass Verny am Anfang ihres Albums "Keep Some Secrets Within" klingt wie eine andere: Diese Klarheit im stimmlichen Ausdruck, diese optimistische Kraft und nicht zuletzt die Scat-Koloraturen gemahnen deutlich an die US-Amerikanerin Dianne Reeves. Wogegen natürlich gar nichts einzuwenden ist.
Es ist jedoch das durch und durch Europäische, mit dem sich Verny im Verlauf der Aufnahme deutlich von vielen Kolleginnen abhebt. Und das nicht nur, weil die Freiburgerin bei vier Stücken perfekt Französisch singt und gewitzt Chanson- und Musette-Klischees mit poppigen Harmonien und krummen Metren austanzt. Nein, auch die vermeintlich amerikanisch-mainstreamigen Ausflüge in Blues- und Funk-Gefilde haben kleine bildungsbürgerliche Widerhaken: Die Texte zu den durchweg von den Mitgliedern des Quartetts komponierten Songs stammen in drei Fällen vom englischen Dichter William Blake. Oder verhandeln mitunter so ernste Themen wie den Overkill an den ewig gleichen Horror-Schlagzeilen. Auch wenn die dazugehörige Musik so leicht, so freundlich und solistisch eher unauffällig klingt: 0815 ist das nicht. Es dürfte inzwischen ja nun auch kein Geheimnis mehr sein, dass auf Cécile Verny Verlass ist.

Josef Engels, 25.09.2010



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