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Sergei Rachmaninow, Igor Strawinski u.a.

Klavierkonzert Nr. 3, Le sacre du printemps

Yefim Bronfman, Berliner Philharmoniker, Simon Rattle

medici arts/Naxos 2057758
(104 Min., 6/2009)

So ist das eben bei Open-Air-Veranstaltungen. Plötzlich schiebt sich ein riesiger, tiefschwarzer Wolkendeckel über die 20.000 Besucher. Langsam kriecht unangenehm die Feuchtigkeit die Hosenbeine hoch. Und die frisch geschmierten Pausen-Baguettes verwandeln sich in labberige Mehlstangen. Am 21. Juni 2009 standen beim Saison-Ausklang der Berliner Philharmoniker in der Berliner Waldbühne die meteorologischen Vorzeichen zwar nicht auf Sturm. Doch während sich das Publikum unter Plastikplanen vor dem Abendregen schützte, sorgte das Orchester samt Simon Rattle für musikalische Naturgewalten in Orkanstärke. Kaum hatte Solo-Fagottist Daniele Damiano in den ersten Takten von Strawinskis "Le sacre du printemps" mit magischem Melos die Waldbühne geweiht, schritt das Orchester angriffslustig und mit motorischem Furioso zur Tat. Forciert, aber ohne zu überhitzen. Rasant und rasend in der Rhythmik, aber nie hektisch.
Punktgenau wurde hier eine Partitur in modernster Prägung durchmusiziert, ohne nur für eine Sekunde die dramatische Wucht und die gleichermaßen irisierend-impressionistischen Holzbläserfarben aus den Augenwinkeln zu verlieren. Kein Wunder, dass danach niemand mehr an seine nassen Klamotten denken konnte. Eröffnet wurde das Konzert, das unter dem Titel "Russian Rhythms" stand, dagegen mit einem sympathischen Leichtgewicht, mit Ausschnitten aus Tschaikowskys "Nussknacker". Die Vorstufe zu Strawinski durfte danach Pianist Yefim Bronfman zünden. In Rachmaninows 3. Klavierkonzert, in dem er kompromisslos auf eine wirkungssichere Gradlinigkeit setzte und sich dennoch die Zeit ließ, um lyrische Noblesse jenseits schaler Süffigkeit anzubieten. Ein ereignisreicher Abend.

Guido Fischer, 25.09.2010



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